Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
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ner Schweſter zum Erſtenmale, was Liebe ſei. Und wie hätte er dem Mädchen mißtrauen können, erſchien ſie ihm nicht als die Zurückhaltung, die Argloſigkeit ſelber, war ihr ſanftes Weſen nicht ſcheinbar der Inbe⸗ griff aller weiblichen Tugenden? Das ſchlaue Geſchöpf aber ging nach einem meiſterhaft angelegten, hölliſchen Plan zu Werke. Durch eine gut geſpielte Zurückhal⸗ tung, aus der ſie eine glühende Leidenſchaft hervor⸗ leuchten ließ, die natürlich ebenfalls nur Komödie war, machte ſie den Grafen Karl zu ihrem blinden Sklaven, aber zu gleicher Zeit wußte ſie auch dem alten Grafen, deſſen Schwächen ſie ſchmeichelte, den ſie nach und nach daran gewöhnte nur auf ihren Rath zu hören, unent⸗ behrlich zu werden. Und als ſie ſo zahlloſe Anhalte⸗ fäden mit voller Sicherheit um ihre Exiſtenz gezogen hatte, als ſie die Liebe des Sohnes ſtark genug wußte, ihn zu Allem, ſelbſt dem Aeußerſten, treiben zu können, als ſie endlich im Herzen des Vaters Gefühle aufdäm⸗ mern ſah, die, mit Vorſicht genährt, im gereiften Manne ſich leicht zu einer ernſtlichen Neigung entwickeln moch⸗ ten, da trat ſie eines Morgens mit verſchämten Wan⸗ gen und niedergeſchlagenem Blick vor den Grafen, und begehrte ihre Entlaſſung. Sie können ſich leicht den⸗ ken, was nun folgte.— Es kam zu ſchüchternen Er⸗ klärungen von Seiten des jungen Mädchens— die