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„Ich verſtehe mich ein wenig auf Menſchenkenntniß, Herr von Bülow—!“ 3
„Und was haben Sie in den paar Tagen unſerer Bekanntſchaft an mir entdeckt?“
„Daß Sie, obwohl es Ihnen gefällt, ein wenig mit Blaſirtheit zu kokettiren, dennoch tiefes Gefühl beſitzen und eines lebhaften Aufſchwunges fähig ſind!“
„Ich weiß nicht, ſoll ich Ihnen für dieſe Meinung von mir danken oder nicht, lieber Walter? Der gefühl⸗ volle Menſch, der Enthuſiaſt, wird in unſerer Zeit als der Narr der Geſellſchaft betrachtet. Man macht ſich jetzt nur noch durch Egoismus geltend, und nicht durch ein überquellendes, warmempfindendes Gemüth! Die Welt taugt nichts!“
„Ich kann mir nicht denken, Herr Baron, daß Sie das aus eigener Erfahrung ſagen! Sie ſind jung, reich, unabhängig, Sie haben ſich nicht die Mühe genommen, andere Menſchen zu ergründen, als jene, welche ſich an Sie um ſelbſtſüchtiger Zwecke willen drängen. Seien ſie verſichert, die Menſchheit iſt nicht ſo ſchlimm, als viele unſerer modernen Schriftſteller es uns in ihren ſozialen Romanen wollen glauben machen. Liebe, Freundſchaft, Aufopferung ſind Dinge, die der noch immer findet, der ſie auch zu geben weiß, und nur Jener bleibt arm da⸗ ran, der ſich mit engherzigen Vorausſetzungen in das


