Teil eines Werkes 
2. Theil (1863)
Entstehung
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Leben wagt. Sie mit Ihren dreiundzwanzig Jahren, lieber Baron, ſind kein abgehärteter Philoſoph, das wird man erſt, wenn man eine ganze Kette bitterer Erfah⸗ rungen durchgegangen iſt und jenes heißpulſtrende Ge⸗ fühl eingebüßt hat, mit dem der Jüngling von Geiſt und Herz alles Edle erfaßt und jedes Unrecht offen verdammt! Sie ſind um ſo weniger ein Philoſoph, je mehr Ihnen daran liegt, nicht in der Geſellſchaft Ihrer warmen Em⸗ pfindung wegen für einen Narren zu gelten!

Ich will Ihnen zugeſtehen, erwiderte Bülow la⸗ chenddaß Sie einen ziemlich ſcharfen Blick in mein Inneres gethan haben, lieber Herr Walter; ich brachte es noch nicht ſo weit, ein ernſtlich Blaſirter zu werden. Aber ich bin ſchon recht hübſch auf dem Wege dorthin. Ich wundere mich übrigens, daß Sie, der Sie doch, wie Sie mir in dieſen Tagen bereits zu mehreren Malen andeuteten, das Leben und die Menſchen nicht ge⸗ rade von der angenehmſten Seite kennen gelernt haben, noch immer ſo roſig von der Welt denken können!

Ich mache mir keine Illuſionen, mein junger Freund! entgegnete Walter mit ernſter MildeIch denke nicht roſig von der Welt, aber auch nicht zu ſtrenge von ihr. Mag die Menſchheit auch mehr als edel und ihr gedeih⸗ lich iſt in Materialismus und zahlreichen Irrthümern befangen ſein, ſie ringt ſich doch mit der Zeit nach er⸗