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„wer wird denn jetzt noch während einer Eiſenbahnfahrt
Bedenken hegen? Geht nicht Alles im Leben ſolchen
tollen Lauf in Nebel und Dunſt hinein, und ſteht un⸗ ſere Exiſtenz nicht hundertmal in einer Stunde auf dem Spiele, ſobald wir uns nur in die Welt hinauswagen? Ich habe das trotz meiner Jugend ſchon zur Genüge während meiner Abweſenheit von unſerm lieben Heiligen⸗ brunn erfahren!“
„Du haſt recht, Karl,“ antwortete der Vater. „Unſer Leben hängt überall an einem Haare, im Salon wie auf der Eiſenbahn, mag man einen lammfrommen Renner beſteigen, oder auf einem Packetboote über den Ocean hindampfen. Und die größten Gefahren, die der Menſch zu beſtehen hat, kommen ihm nicht von Außen angeflogen, ſondern wachſen aus ſeinem Innern heraus. Ich ließ Dich darum auch ſo ziemlich ſorglos aus un⸗ ſerer Einſamkeit zur fernen Univerſitätſtadt ziehen, weil ich mir ſagte: Gegen Zufälligkeiten kann ich ihn nicht ſchützen, und ließe ich ihn nie von meiner Seite, gegen die Gefahren aber, die aus Leidenſchaften entſpringen, habe ich ihn durch eine geregelte Erziehung gewappnet, er möge ſie kennen und beſiegen lernen, dieſe Gefahren! — Aber Alles wohl erwogen, mein Sohn, nun ich Dich wieder habe, und zwar, wie ich nach allen Anzeichen glaube, mit unvergiftetem Herzen, nun wirſt Du es mir


