Teil eines Werkes 
1. Theil (1863)
Entstehung
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Als er ſich zum Fenſter des Coupé's vorüberge⸗ beugt hatte, da war ein leichtes Schauern über ihn ge⸗

kommen, und ſeine Wangen hatten ſich kaum merklich

entfärbt; es mochte das eine Wirkung der Morgenkühle geweſen ſein, der vielleicht ungewohnten Nachtſtrapaze. Nun er aber zu ſeinem jugendlichen Gefährten hinüber⸗ ſtarrte, da drückte ſein Antlitz eine andere Empfindung aus, das Gefühl der Beſorgniß.

Seine Augen ruhten eine Minute lang forſchend und beinahe ungeduldig auf den Zügen, die mit den ſeinigen ſo viele Aehnlichkeit hatten, daß ſich unſchwer auf den erſten Blick ſagen ließ, die beiden Herren ſeien Vater und Sohn.

Und nun öffnete er die ſchmalen Lippen.

Schläfſt Du, Karl? fragte er zögernd und halblaut.

Der junge Mann ſchlug ſogleich die Augen auf. Er mußte die Anrede mehr inſtinktartig empfunden als gehört haben, denn das Raſſeln des in Sturmeseile dahinſauſenden Trains und das Dröhnen der Eiſen⸗ ſchienen hatten die Worte des Herrn im Pelze faſt ver⸗ ſchlungen.

Nein, Vater! antwortete der junge Mann, ohne ſeine Stellung zu verändern.Seit einer halben Stunde mache ich vergeblich den Verſuch, wieder einzuſchlafen!