Teil eines Werkes 
1. Theil (1863)
Entstehung
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läßt, oder noch ſo wohlwollend ſich Denjenigen nähert, die ihre Geburt nicht zu Prätentionen berechtigt. Es war übrigens dieſer Ausdruck in den Zügen des jungen Mannes weit entfernt vom vernünftiger Weiſe durch nichts berechtigten Hochmuth eines anmaßenden Junkers, ſondern er trug nur den Charakter, der ſelbſt den Beſten und Liberalſten der adeligen Kaſte eigen iſt, und den die liebenswürdigſten Umgangsformen nie völlig zu verdecken im Stande ſind.

Im Antlitze des älteren Herrn waren dieſe phyſiognomiſchen Grundelemente eines Kavaliers bei weitem ſchärfer ausgeprägt, wenmgleich auch in ſeinem Angeſichte ein wohlwollender; die hehand über den

6 mußte in ſeiner Jugend ſchän gebeſen ſein, eerr Herr im Pelze, noch jetzt war er eine ſtattliche Erſcheinung. Die feingeſchnittene, ein wenig gebogene Naſe, der edelgeformte Mund, zu deſſen etwas herabge⸗ zogenen Winkeln zwei tiefe Furchen der übrigens vollen Wangen ſich verliefen, große, braune, lebhafte Augen, aus denen Geiſt und Lebensluſt ſprachen, und die un⸗ ſtreitig ebenſo gut herriſch, wie freundlich blicken konn⸗ ten, gaben der Phyſiognomie des Mannes etwas Achtung⸗ gebietendes und Einnehmendes zugleich.

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