Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

Lippe, aber er bezwang ſich in Gegenwart Paulinens und ſagte ſeiner Frau gelaſſen:„Kathi, begleite ſie hin⸗ aus! Wir wollen den Anſtand nicht verletzen!“

Dann trat er zu Paulinen an das Bett. Das Mädchen ſchlug die Augen auf.

„Wie iſt Ihnen, liebes Kind?“ fragte er ſanft.

„Ich leide!“ flüſterte Pauline matt.

„Der Beſuch Ihrer Mutter hat Sie angegriffen!“ antwortete Weidner wohlwollend.—„Ei, grübeln Sie nicht weiter darüber nach, Paulinchen! Eine Sorge ſind Sie los, denn Ihren Freunden geht es gut, ſchlagen Sie ſich alſo die anderen aus dem Kopf! Meine Alte iſt bald

wieder bei Ihnen, und dann— das Eſſen wird ſchon

auf uns warten,— gibt's etwas Stärkendes. Mit der

leiblichen Kraft kehrt auch die Zuverſicht zurück! Und nach Tiſche, damit Sie uns keine Grillen fangen, wie die Mutter meint, ſchicke ich Ihnen noch zu der Alten den Franz herein. Der Burſche mag mit Ihnen plaudern, er iſt geſcheidt, da wird ſchon die Zeit vergehen!“ Weidner lächelte ſo freundlich und ſeltſam bei den letzten Worten, daß es Paulinen heiß um's Herz wurde.

Sie ſchlug die Augen nieder, eine leichte Röthe däm⸗

merte an ihren blaſſen Wangen auf.

Weidner aber drehte ſich herum, und erblickte ſei⸗