26
Mädchen bekommt vor lauter Theilnahme für Fervals hi— ſt— hiſtoriſche Anfälle!“
„Gehen wir, Mama!“ drängte jetzt Ottilie, welche während der ganzen Zeit die Gleichgültige geſpielt hatte, während ſie kaum noch vermochte, ihre üble Laune im Zaume zu halten.
„Oui, ma ville!“ ſtieß die dicke Dame hervor— „Liebſte Weidner, wird mich freuen, wenn Sie ſo char⸗ mant ſein wollen, uns bald einen Gegenbeſuchzu machen! Herr von Weidner, Ihre ergebene Dienerin? Warum läßt ſich Ihr Franz nicht mehr bei uns blicken! Meine Ottilie, das gute Kind, fürchtet ſich, ihn auf irgend eine Weiſe gekränkt zu haben! Sie iſt ſo an ſeine Beſuche gewöhnt,— ich finde das arme Kind ſeit einigen Tagen zerſtreut, niedergeſchlagen—!“
Ottilie ſah in dieſem Augenblicknichts weniger als zerſtreut und niedergeſchlagen aus, im Gegentheil flammte ein gewiſſer Hochmuth in ihrem Blick, während von ihr die Rede war.
Weidner und ſeine Frau gaben ſich den Anſchein, dieſes nicht zu bemerken.
„Das Fräulein wird ſich wohl noch ein wenig ge⸗ dulden müſſen,“ ſagte er trocken,„denn mein Sohn hat jetzt mit ſeinem erſten Bau zu thun, und kann vorläufig nicht auf Nebenſachen denken!“


