Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Freudigkeit, die von Zeit zu Zeit beinahe unvermerkt ihr Herz überſchlich, und zu der ſie doch im Grunde keine volle Berechtigung vorhanden glaubte. War es die liebevolle Theilnahme, welche ſie von den Angeſichtern aller dem Weidneriſchen Hauſe Angehörigen herunter⸗ las, was ihr Herz froher erbeben ließ, dieſes arme Herz, dem ſeither nur wenig Beſſeres als Zurückſetzung, Kälte und Kränkung widerfahren war? Oder fühlte es ſich tiefinnerſt durch den Gedanken erhoben, das es im rech⸗ ten Augenblick ſtark genug geweſen ſei, zu einer That ſich aufzuraffen, die einem Geſchöpfe Gottes das Leben rettete? Sicher belebte Paulinens Gemüth etwas von Beidem, und doch lag wohl die eigentliche Urſache dieſer

insgeheim aufdämmernden Freudigkeit noch tiefer! War nicht Franz, der Sohn des Hauſes, ſeit das Wundfieber ſie verlaſſen, das nur wenige Stunden angedauert hatte, zu vielen Malen erſchienen, ſich nach ihrem Zuſtande zu erkundigen, und hatte nicht in dieſen ängſtlichen Er⸗ kundigungen, in ſeiner beſorgten Miene, ja in ſeinem ſeltſam bewegt auf ihr haftenden Blicke ſogar ein Etwas gelegen, das mehr auszudrücken ſchien, als gewöhnliches Mitleid? Pauline ahnte nicht, daß der ehrliche Weidner, ſeit ſie im Schlafgemach ſeiner Frau an Wunden dar⸗ niederlag, die der Sohn ebenſo willenlos verurſacht, wie er unwiſſentlich das Herz des Mädchens getroffen, ſeinem