Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

zum Beiſpiel nicht, was man Alles bedenken muß, wenn man als Frau von Welt nur halbwegs mit ſeiner Toi⸗ lette unter die Damen von savon vivre rangiren will! Danken Sie Gott, Liebſte, daß Sie ſich damit nicht den Kopf anzufüllen brauchen! Aber was ſoll ich arme Frau machen? Man hat vornehme Verbindungen, man wird geſucht, man darf nicht zurückſtehen! Wie ſinden Sie mein neues Kleid? Große Bouquets, die neueſte Mode, iſt erſt von Paris gekommen, beziehe Alles direkt, man kann hier ja nichts haben! Gott, ſo was ſieht man nicht alle Tage, nicht wahr, Liebſte? Frau Weidner blickte die ſelbſtgefällig ſich brü⸗ ſtende Dame ſtarr an, und ſagte dann trocken: Aber die Pauline werden Sie doch vielleicht wohl anſchauen wollen, nicht ſo? Die Pauline? antwortete Frau Stahl verblüfft. Ja nun natürlich wir ſind ja ihretwegen hieher gekommen, ich und die Ottilie! Es geht ihr alſo gut? Sie wird Sie recht geniren, liebſte Weidner! Man hat alle Augenblicke ein anderes Kreuz mit dem Mädchen!

Frau Weidner antwortete nicht, ſondern ſchritt der Thüre zu, die in das Nebenzimmer führte. An der Schwelle winkte ſie den beiden Damen, ihr zu folgen. Mutter und Tochter rauſchten der würdigen Hausfrau