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Geſundheit im vollen, freundlichen Antlitz, deſſen wür⸗ diges Ausſehen die ſilbergrauen Löckchen erhöhen, eine feſte, zuverſichtliche und doch anſpruchsloſe Haltung, und in der beſcheidenen Kleidung eine Nettigkeit und Sauberkeit, die um ſo wohlthätiger auf das Auge wirkt, als ſie nicht immer bei ältlichen Frauen gefunden wird.
Frau Weidner's Züge, die nicht zu heucheln ver⸗ mochten, drückten nur höflichen Ernſt aus, als die bie⸗ dere Frau ihrem Beſuche grüßend entgegentrat. Stahl's Gattin dagegen, während Ottilie ſich zu einem Lächeln zwang, verzerrte ihr bemaltes Fettpolſtergeſicht zu einem Grinſen, das freudige Ueberraſchung und freundſchaft⸗ liche Theilnahme ausdrücken ſollte. Die korpulente Dame ſchickte ſich ſogleich zu einer Umarmung an, ſo ſchwer es ihr auch ankam. Die ehrliche Weidner aber erſparte ihr dieſe Selbſtverläugnung, durch welche Frau Stahl der Famillienpolitik ein Opfer zu bringen ent⸗ ſchloſſen war. Sie hielt die dicke Dame dadurch von ſich ab, daß ſie ihr augenblicklich die Hand entgegenſtreckte, als ſie die Abſicht der Beſucherin errieth. Dieſe ſah ſich nun darauf beſchränkt, die dargereichte Rechte der Haus⸗ frau zu drücken, und ſie that es denn auch mit einem großen Aufwande anſcheinender Zärtlichkeit, indem ſie ſich die Miene gab, als bemerke ſie nicht die etwas ab⸗ wehrende Bewegung der Frau Weidner.


