Teil eines Werkes 
3. Theil (1862)
Entstehung
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auf dem bereits Alles zum Mitteagseſſen hergerichtet war. Freilich in Tellern, Gläſern und Eßbeſtecken zeigte ſich da die höchſte bürgerliche Einfachheit, aber in Bezug auf die Feinheit des Tiſchtuches und der Servietten in der That doch kein Unterſchied gegen die gedeckte Tafel eines Kavaliers.

Wahrhaftig, ſagte die dicke Fabrikantin mit einiger Ungeduld, während ſie ihrer Tochter das Flacon zurückgab,mir ſcheint, man läßt uns hier anticham⸗ briren, als wären wir weiß Gott bei wem?

Ottilie ſtand im Begriff der Mutter zu antworten, als ſich die Thüre aufthat. Frau Weidner trat ein.

Die wackere Frau war auch Sonntags in ihrer gewohnten ſchlichten Weiſe gekleidet. Ihr treuherziges, gewinnendes Antlitz trug den Ausdruck jener inneren Zufriedenheit, die nur Derjenige in ſich fühlt, der ſich bewußt iſt, in ſeinem Wirkungskreiſe nach beſtem Wiſſen und Willen ſeine Pflicht zu erfüllen. Frau Stahl und ſie, welch ein Gegenſatz! Dort ein künſtliches Roth auf den Wangen, ein bitterſüß verzogenes Schwammgeſicht, pomphaft alberne Aufgeblaſenheit, Unnatur bis zur Lä⸗ cherlichkeit, ein Weſen, das weder durch Benehmen noch Aeußeres jene Ehrerbietung einflößt, welche Damen be⸗ anſpruchen dürfen, die in vorgerückten Jahren ihrem Alter gemäß auftreten, hier die friſche Farbe der