Teil eines Werkes 
2. Theil (1862)
Entstehung
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ter iſt, in Bezug auf das Kind, an dem die ganze Seele hängt, egoiſtiſch. Wie natürlich iſt dieſes Gefühl, das beim Alles für ſein Kind opfernden Weibe noch mehr zur unabweisbaren Pflicht ſich geſtaltet, als die der Selbſterhaltung ſogar! Thereſe ſah nicht allein voraus, daß ihr Gatte, arm und ohne ſonderliche Protektion, wie er war, trotz ſeines Talentes ein mehr oder weniger klägliches Künſtlerdaſein führen, ſondern auch kaum in den Stand geſetzt ſein werde, für ihr Kind ſo viel zu thun, daß es dermaleinſt, wie ihr Mutterſtolz träumte, auf einer glänzenden Laufbahn vorwärts ſchreiten könne. Thereſen's Herz blutete bei dieſem Gedanken. Entſchloß ſich dagegen Ferval zu einer kirchlichen Trauung, und zwar zu einer durch einen Geiſtlichen ihres Glaubens vor⸗ genommenen, ſo ward ohne Zweifel die Tante verſöhnt, die ſeit jenem Auftritt nichts hatte von ſich hören laſſen, und ſogar am Tage nach der erſchütternden Kataſtrophe Ferval nicht hatte ſehen wollen, der nach Neuwaldegg gekommen war, der alten Dame Vorſtellungen zu ma⸗ chen und ſie für ſich zu gewinnen. Aber wie ſollte The⸗ reſe ihrem Gatten den geheimen Wunſch ihres Herzens bekennen? Ihr Zartgefühl ſchreckte davor zurück, dem geliebten Manne einen Zwang, eine Feſſel aufzuerle⸗ gen. Nach jeder Seite hin fühlte ſie ſich in einer be⸗ klemmenden, beunruhigenden Lage.

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