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eben war, welcher eine kirchliche Trauung in Brüſſel für unnöthig gehalten, mit Vorwürfen überhäuft. Nichts⸗ deſtoweniger beobachtete ſie mit ſtiller Angſt ihren Mann, der ernſt ſeinen Geſchäften nachging und ſein ihr gegenüber ſtets liebevolles Benehmen verdoppelte, ohne daß er ein Wort darüber fallen ließ, was nun zu be⸗ ginnen ſei. Der Wunſch, ſich nachträglich mit Ferval den Vorſchriften ihrer Kirche gemäß trauen zu laſſen, ſtand ihrem Herzen nahe, nicht etwa, weil ſie dieſes als für die Beruhigung ihres Gewiſſens nothwendig erach⸗ tet und ſomit ihr vor dem Maire in Brüſſel gegenſeitig abgelegtes Ehegelöbniß als unzulänglich erkannt hätte, denn, wie früher geſagt, ſie theilte die rationellen An⸗ ſichten ihres Gatten, ſondern weil ſie die Zukunft ihres Kindes im höchſten Grade gefährdet ſah, ſobald nicht den Erwartungen, ja geradezu dem Willen der ſtreng an ihrem Glauben feſthaltenden Tante entſprochen ward. Wurde Frau von Heuber die Möglichkeit genommen, bei dem Knaben Pathenſtelle zu vertreten, zog ſie ſich, was die unmittelbare Folge davon ſein mußte, von der Nichte zurück, dann ließ ſich auch mit Beſtimmtheit vor⸗ ausſagen, daß für ewig die Gunſt der alten Dame und damit das reiche Erbe verſcherzt ſeien.
Ein Frauenherz, mag es ſonſt noch ſo uneigen⸗ nützig ſein, wird, wenn es zugleich das Herz einer Mut⸗


