Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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Der Geiſtliche richtete ſich hoch auf. Er legte das Papier auf den Tiſch, vor dem Frau von Heuber mit dem Kinde ſtand. Der Blick, der über die kleine athemloſe Verſammlung ſchweifte, war ſo ſtrenge wie ſein Ange⸗ ſicht.

So kann ich dieſes Kind, ſagte er mit feſter, lauter Stimme,nur als ein uneheliches taufen!

Ein Schrei der Verzweiflung tönte vom Bette her. Frau von Heuber ließ das Kind in die Hände der Heb⸗ amme gleiten, Ferval taumelte zurück. Stahl ſtand zur Seite, das wachsgelbe Antlitz regungslos, den glühen⸗ den Blick bald auf die Tante, bald auf Ferval geheftet. Pauline ſtürzte an das Bett, ſank in die Knie und preßte die Hände der jungen qualerfüllten Mutter. Die Uebri⸗ gen waren lautlos, beſtürzt.

Eine furchtbare, beklemmende Pauſe folgte den Worten des Geiſtlichen. Dann raffte Ferval ſich auf. Er vernahm das krampfhafte Schluchzen ſeiner Gattin.

Sein Weib, der reine Engel, den er über Alles liebte,

war beſchimpft, erniedrigt, der Verzweiflung, vielleicht durch dieſen jähen Seelenſchmerz der Todesgefahr preis⸗ gegeben. Eine an Wahnſinn grenzende Wuth erfaßte ihn. Dennoch bezähmte er noch einmal ſeine auflodernde Leidenſchaft.