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Es entging der ehrfurchtsvoll grüßenden kleinen Verſammlung nicht, daß auf den Zügen des geiſtlichen Herrn eine ſeltſame Strenge lagerte, und daß er einige Worte der Anſprache zurückhaltend und mit unerſchüt⸗ terlichem Ernſt erwiederte. 3
An einer Wand des Zimmers ſtand ein kleiner Tiſch. 633 befanden ſich darauf ein Krucifix zwiſchen zwei brettenden Kerzen und das zur Taufe Nöthige.
Die Hebamme übergab der Frau von Heuber das Kind, dieſe trat damit an den Tiſch. Die Verſammel⸗ ten bildeten ſchweigend einen Halbkreis, der Meßner ſchickte ſich an, den Geiſtlichen mit dem Chorhemd zu bekleiden.
Dieſer aber machte eine abwehrende Handbe⸗ wegung, trat zum Tiſch, warf Ferval einen ernſten Blick zu und ſagte ruhig:„Wo iſt der Trauſchein, mein Herr?“
Ferval ſchoß das Blut in die Wangen. Die Frage des Geiſtlichen klang wie eine Beleidigung in ſein Ohr. Er wußte ſehr wohl, daß ein Trauſchein ſtets nach vollzogener Taufe zur Einſicht begehrt und vor⸗ gelegt wird.
Von plöͤtzlicher Aufwallung des Unmuths ergriffen, wendete er ſich mit beinahe fieberhafter Haſt zu einem


