Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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erſchöpft, aber dennoch war das brave junge Mäd⸗ chen jeden Augenblick bereit, zu helfen wo es Noth thun würde. Ein dankbares Lächeln Thereſens, ein Händedruck Ferval's hatte ſie von Zeit zu Zeit für ſo viele Mühen gelohnt, was begehrte ſie mehr? Von ihren näheren Verwandten ward ihr kein Wort der Anerkennung; das kränkte ſie nicht. War ſie nicht dar⸗ an gewöhnt, ohne ein aufmunterndes Wort zu ſchaffen, ſich zu mühen?

Ottilie kam derFrau Tante die Hand zu küſſen, Stahl's Gattin verneigte ſich ſo tief und zeigte ein ſo liebeſtrahlendes Geſicht, als ſie einer Millionärin gegen⸗ über für nöthig hielt, die obendrein eine Verwandte war, welche zu Hoffnungen berechtigte.

Frau von Heuber trat an's Bett ihrer Nichte und ſagte ihr in ihrer ſchnarrenden und barſchen Weiſe einige freundliche Worte, die von der jungen Frau lächelnd und mit matter Stimme erwiedert wurden. Stahl heuchelte liebevolle Theilnahme.

Da ertönte die Wohnungsglocke. Obwohl die Magd Ferval's draußen war, eilte doch Pauline hin⸗ aus.

Eine Minute ſpäter erſchienen der Geiſtliche und der Meßner, von Paulinen gefolgt.