Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

232

Stunde ſpäter ward mir die Nachricht von ſeinem Tode, und am folgenden Tage kam es heraus, daß der Mann in den zerrüttetſten Verhältniſſen geſtorben ſei. Meine 50,000 Gulden wären verloren geweſen, hätte ich ſie zwei Stunden früher abgeſendet, wie ich es anfänglich thun wollte, der Mann hinterließ zahlloſe Schulden, er hatte ſich durch Aufwand, Börſeſpiel, mit einem Wort, durch eine ſorglos leichtfertige Lebensweiſe ruinirt! Frau Tante, ich ſage es gerade heraus, ich war tief erſchüttert, ich bin es noch, ich preiſe Gottes Güte, die ſo großen Schaden von mir abwen⸗ dete, und werde hinfort bemüht ſein, dem Fingerzeige des Allmächtigen Folge zu leiſten!

Stahl blickte wie ein reuiger Sünder, aber auch zugleich wie ein angehender Tugendheld auf die alte Dame. Was konnte dieſe anderes thun, als an die Umwandlung des Fabrikanten glauben? Erſchien ihr nicht Alles, was ſie ſoeben gehört hatte, ſo natürlich, ſo folgerichtig, ſo überzeugend? Ihr Antlitz verlor den größten Theil ſeiner Strenge. Sie hielt Stahl eine ihrer grobknochigen Hände hin.

Stahl, ſagte ſie,was ich da von Ihnen höre, freut mich Ihret⸗ und Ihrer Familie wegen! Bleibt ſtandhaft!

Standhaft! echoete der Gleißner und küßte von Neuem die Hand der alten Frau.