Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

226

tille umnehmen mußte, wenn Beſuch kam, und dieſe nir⸗ gends ablegen konnte, ſobald ſie eine Viſite abſtattete oder überhaupt das Zimmer verließ.

Eine weitere Seltſamkeit beſtand darin, daß ſie unter dem Kleide, auf dem Buſen, der Geſundheit hal⸗ ber, wie es hieß, ein lebendes Meerſchweinchen trug, das an ſeinem Aufenthaltsort, um den es wohl nicht zu be⸗ neiden ſein mochte, bisweilen quiekte und plötzlich allerlei Bewegungen ausführte, welche die alte Dame keineswegs genirten, mochte ſie ſich auch gerade mit Leuten unter⸗ halten.

Stahl trat zu der alten Dame, die er ſtets, ohne dazu berechtigt zu ſein,Frau Tante titulirte, und küßte eine ihrer grobknochigen Hände.

Meine Mantille, Liſette! ſchnarrte die alte Frau, ohne die Begrüßung Stahl's zu erwiedern.

eiſette beeilte ſich, ihrer Herrin den gewünſchten Gegenſtand umzuhängen, der für die Rückſeite ihrer Toilette ſo unentbehrlich war.

Ich habe mit Schmerzen erfahren, daß Sie ſich dieſen Morgen unwohl fühlten, beſte Frau Tante, be⸗ gann Stahl mit vortrefflich geheuchelter Beſorgniß in Miene und Ton,und bin deshalb mit Mamſell Liſette herausgefahren, mich nach Ihrem Befinden zu erkundi⸗ gen.