22
doch nicht von verſtändiger Wahl und Anordnung, wie ſie ein feingebildeter Geiſt zu treffen weiß. Man erkennt auf den erſten Blick, daß man ſich in der Wohnung eines Emporkömmlings befindet.
Ungefähr um dieſelbe Zeit, zu der im Pötzleins⸗ dorfer Gehölze ein Schuß auf die junge Frau abgefeuert ward, zog ein Herr die Glocke der Portalglasthüre.
Das Zwitterweſen von Hausmeiſter und Portier verließ ſein Kabinet neben der Thür und ſtreckte das bläulichrothe Weingeſicht mit verdrießlicher Miene ge⸗ gen die Glaswand vor. Der kleine, ſchwulſtige Mann, der ſich ſelber eine große Wichtigkeit beilegte, war, wie die Mehrzahl ſeiner Kollegen, in der Regel mürriſch und hochfahrend gegen Beſucher, welche nicht in einer Equi⸗ page vorfuhren, oder wohl gar die ſchlichte Kleidung eines Geſchäftsmannes der Mittelklaſſe trugen.
Obwohl nun aber der Herr, den er jetzt hinter der Glaswand erblickte, zu Fuß gekommen und nicht im Ge⸗ ringſten elegant angezogen war, verwandelte ſich doch beim Anblick desſelben die Bullenbeißerphyſiognomie des dicken Pförtners augenblicklich.
Er öffnete eilig und mit ehrerbietigem Gruße.
Der Herr erwiderte dieſe beinahe kriechende Höf⸗ lichkeit durch ein kaum bemerkbares Kopfnicken, und fragte trocken:„Herr von Stahl zu Hauſe?“


