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nehmt. Kommt am Geburtstage meiner Fati⸗ ma zu mir, ich will euch auf einen Balcon fuͤh⸗ ren, wo ihr den Garten und das ganze Schau⸗ ſpiel uͤberſehen koͤnnt. Wir werden ein Tulpen⸗ feſt feiern, wie es in den Gaͤrten des Sultans gebraͤuchlich iſt;*) es wird eurer Aufmerkſamkeit werth ſein, und ihr werdet uͤberdieß noch die Freude haben, meine Fatima einen Augenblick ohne Schleier zu ſehen.“
„Gerade dies,“ unterbrach ich ihn,„muß ich am ſorgfaͤltigſten zu vermeiden ſuchen; ich darf mich nicht einer augenblicklichen Freude uͤberlaſſen,
*) Dies Feſt wird von den Türken Turpe ufeſt genannt, weit dabei ganze Beete von Tulpen illuminirt werden„Dieſe Blume,“ ſagt der Baron von Dott in ſeinen Memoiren, niſt die Lieblingsblume der Türken. Die weiten Gärten des Harems dienen zum Schauplatz dieſer nächtlichen Feſte, wo außer den ilkuminirten Beeten ſich noch Vaſen jeder Art, mit natürlichen oder künſtlichen Blumen geſchmückt, aufgeſtellt beſinden, die durch unzählige Lampen erleuchtet, ihren bunt⸗ farbigen Wiederſchein, durch kunſtreich geordnete Spiegel, ma⸗ giſch wiedrr zurückwerfen. Eine Menge Waaren, zierlicher und modiſcher Art, werden in dazu aufgeſchlagenen Buden, von paß⸗
lich gekleideten Frauen des Harems verkauft.— Danz und Muſik verſchönern die Unterhaltung, welche gewöhntich bis ſpät in die Nacht dauert.


