Teil eines Werkes 
3. SupplementbandGeschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande : 3. Band (1841) Von dem Feldzug des Jahres 1589 bis zum Waffenstillstand von Antwerpen 1609 / fortgesetzt von Eduard Duller
Entstehung
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Thurm wurde nun am 26. Juni des Abends auf Rollen gegen die Stadt geſchafft; in deſſen ſchußfreiem, oberſtem Stockwerk befanden ſich Musketiere, welche die Königlichen auf den Wällen, ja ſogar in den Straßen der Stadt erlegen konnten. Die Be⸗ lagerten, welche ſich aufs Tapferſte vertheidigten, zerſchoſſen end⸗ lich das oberſte Stockwerk dieſes Thurmes. Je größeren Widerſtand Moritz fand, um ſo mehr beeilte er ſich, Steenwyk in ſeine Gewalt zu bringen, bevor es Entſatz bekäme. Schon hatte Verdugo den Belagerten dreihundert Mann zur Verſtärkung geſandt, was den Muth der Erſteren und ihre Hoffnungen nicht wenig erhöhte. Da nun Moritz einſah, daß die Feſtigkeit der Werke ſeinen Geſchützen trotzte, ſo entſchloß er ſich, dieſelben durch Anlegung von Minen zu ſprengen. Er gewann den äußeren Wall, ließ den Graben ausfüllen und eroberte endlich nach einem hartnäckigen Kampf ein Bollwerk an der Oſtſeite, ſowie ein Thor an der Südſeite. Bei dieſem Kampfe wurde der Oberſt Wilhelm van Dorp tödtlich verwundet und Prinz Moritz ſelbſt erhielt einen Schuß in den linken Kinnbacken, welche Wunde ihn zwar am Sprechen, aber nicht in tapfrer Ausdauer hin⸗ derte. Da er nun von zwei Seiten her feſten Fuß wider die Stadt gefaßt hatte, ſo ſchien deren Eroberung unaufhaltſam, und der Kommandant Coquel, welcher keine Hoffnung eines Entſatzes vorausſah, entſchloß ſich endlich zur Kapitulation. Dieſe kam am 5. Juli zu Stande. Die Veſatzung erhielt freien Abzug mit dem Seitengewehr und mußte(mit Ausnahme der durch Verdugo geſandten Verſtärkung von 300 Mann) ſchwören, ſechs Monate lang auf der öſtlichen Seite des Rheines nicht gegen die Staaten zu dienen. Mehre von jenen Verräthern, welche Gertruidenberg an die Königlichen verkauft hatten und ſich in Steenwyk befanden, empfingen jetzt den rechten Preis,— ſchimpflichen Tod.