12———
31
verging der Sommer. Im Verlauf des Jahres, während ſich Parma mit dem großen Theil des Heeres in Frankreich befand, brandſchatzte der junge Feldherr das platte Land bis gegen Deutſchland hin und im Herbſt eroberte er mehre Schan⸗ zen in Nordbrabant und die Stadt Steenb ergen. Die Bürger von Venlo vertrieben faſt zur ſelben Zeit die könig⸗ liche Beſatzung aus der Stadt, obſchon ſie den Grafen von Mansfeld ſchriftlich verſicherten, daß ſie dem König deſſenunge⸗ achtet treu bleiben wollten.
In dieſe Zeit ſiel eine Verhandlung der deutſchen Reichs⸗ fürſten mit beiden kriegführenden Partheien, den Spaniern und der Republik, über die Verletzung des Reichs⸗ gebietes durch Einmiſchung in die Kölner Angele⸗ genheit. Sowohl gegen Parma als gegen die General⸗ ſtaaten wurden darüber von Seiken des Reiches Beſchwerden erhoben. Parma war, als die deutſchen Geſandten bei ihm in Brüſſel eintrafen, eben im Begriffe, nach Frankreich abzureiſen und gab Denſelben, ohnehin mißgeſtimmt, weil er, auf des Königs Befehl, mitten in ſeinem Werke abbrechen mußte, eine hochfah⸗ rende Antwort.„Von deutſcher Seite her“ ſo erwiederte Parma den Geſandten,„habe man ihn ja angegangen, die Sache der katholiſchen Parthei zu vertheidigen; nichts ſei daher billiger, als daß man dort auch den Schaden trage, der nicht zu vermeiden geweſen ſei.“ Mit dieſer Aeußerung ließ er die Sache dahingeſtellt ſein. Nun verlangten und erhielten die deutſchen Geſandten Päſſe nach den vereinigten Provinzen, und begaben ſich in den Haag.
Sie beſchwerten ſich hier(im Auguſt) insbeſondere über die Errichtung der„Schenkenſchanze“ auf deutſchem(kleve'ſchen) Gebiet und verlangten freie Schifffahrt auf dem Rhein und der Ems; man gab ihnen von Seiten der Generalſtaaten eine


