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die Unglücklichen jedoch in Schottland und vor Eliſabeth ſelbſt, welche, Gottes ſichtbares Walten erkennend, Großmuth übte, wenn man Menſchlichkeit überhaupt— Großmuth nennen darf! Die Freude öffnete ihr Herz für dies Gefühl. War doch ſie, war doch England, war doch der Proteſtantismus aus der furchtbarſten Gefahr gerettet.
Medina⸗Sidonia erreichte für ſeine Perſon glücklich Spanien wieder. Doch in welchem Zuſtande brachte er ſeinem Monarchen die Armada zurück, die er wie eine ſtolze Königin als Brautführer zur Hochzeit mit dem Siege hinausgeleitet!
Gedemüthigt, das Haupt von dem ſchimmernden Ehrenkranze
der„Unüberwindlichkeit“ entblößt, von der Hand Gottes ge⸗ zeichnet und von der Hand der Menſchen geſchlagen, wie eine Bettlerin brachte er ſie heim, ohne Sang und Klang, ohne Freu⸗ denſalven. 32 Schiffe und 10,000 Menſchen waren(nach ſpa⸗ niſchen Berichten) durch Sturm, Feuersbrunſt, feindliche Geſchütze verloren gegangen, nach niederländiſchen Verichten noch ums Doppelte mehr.*) Faſt in allen adeligen Familien Spaniens herrſchte Entſetzen, faſt jede zog Trauerkleider an, weil ſie einen Sohn, einen Bruder, einen Vater, einen Verwandten bei der Expedition verloren. Doch Niemand in ganz Spanien büßte
*) Vergleiche das„ganz gedenkwürdige und eygentliche Verzeichnuß, wie die mächtig und prächtig von vielen Jahren her zugerüſte ſpaniſche Armada zu end nechſt verſchienenen Sommers dieſes 1588 Jahrs umb Bezwingung der Niderlande und einnehmung des Königreichs Engelland abgefahren“ ꝛc. in C. v. Münchs„niederländiſchem Mu⸗ ſeum“(2. Bd. 3. Lieferung). Jenes„Verzeichniß“ gibt den Verluſt im Detail und die Summe des Verluſtes an S iffen auf 32, jenes an Menſchen auf 10,185 an,„von welchen gefänglich in Engelland und Seeland zum wenigſten 1000 gehalten werden, außerhalb einer
großen Anzahl in der Schlacht oder durch den Hunger bingericht, und mehr ſchiff, die man vermeynt zu grund gangen ſeim. aber noch nichts gewiß darvon haben kann.“


