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hinter ſich die ſiegreichen Feinde, um ſich die Wetter des Him⸗ mels! Die erſte unverantwortliche Verzagtheit dieſes unfähigen Mannes, deſſen größtes Verdienſt in ſeinem hohen Adel beſtand, rief bald eine noch größere, noch ſchmählichere hervor. Er wollte mit dem Feinde in Unterhandlungen treten; bloß die zahlreichen Geiſtlichen und Mönche auf der Flotte verhinderten ihn daran; die Religioſität mußte ihm die Ehre retten! Aber ebenſo groß als Medina⸗Sidonias Verzagtheit, und noch größer war das Unglück der Armada. Zahlloſe Verluſte an Schiffen, Men⸗ ſchen, Geräthſchaft und Mundvorrath hatte ſie ſchon erlitten. Verſchloſſen waren ihr die Häfen Norwegens und Schottlands, wo ſie wenigſtens hätte Waſſer einnehmen können; man mußte Pferde und Maulthiere über Bord werfen; viele Schiffe waren halb zerſchoſſen und ſo manches ſank während der langen Fahrt in den Grund. Bei den Orkaden wendete ſich die Flotte end⸗ lich wieder ſüdwärts. Ein furchtbarer Sturm vollendete das Gericht des Himmels.
Medina⸗Sidonia ſegelte mit einer kleinen Anzahl von Schiffen auf dem kürzeſten Wege nach Biskaya zurück; die, welche ſich aus jenem furchtbaren Sturme retteten, wurden an die unwirthbare Küſte von Connaught verſchlagen, wo ein wilder irländiſcher Stamm die unglücklichen Ankömmlinge bar⸗ bariſch ermordete. Zweihundert Geſtrandete wurden Anfangs gaſtlich aufgenommen und dann umgebracht; achthundert Andre beſtiegen lieber ihre halbzerſchellten Schiffe wieder, als daß ſie ein gleiches Loos befahren wollten, ſteuerten in die See hinaus
und wurden von ihr verſchlungen. Das unſelige Geſchick, wel⸗
ches die Armada verfolgte, erreichte faſt jede Abtheilung der⸗
ſelben; hier Menſchen, dort Elemente, welche den kühnen Trotz
Spaniens zerſplitterten; Stürme des Himmels und des Feindes⸗
zornes! Beſſre Aufnahme als an den irländiſchen Küſten fanden II. 21


