42
bare, aber um ſo ſichrere Hinwirken der Jeſuiten, welche in den Beichtſtühlen die Gewiſſen der ſtrenggläubigen Katholiken gegen eine„Gemeinſchaft mit Ketzern und Bilderſtürmern“(als Verbrechen galt ja die Toleranz) einnahmen, alle ächte Eintracht vereitelten. Sollte aber darüber die Freiheit ſelbſt Schaden nehmen? Sollten alle Opfer, die ihr gebracht worden waren, fruchtlos ſein? Nimmermehr! Es mußte ſich doch ein Punkt finden laſſen, welchen die Freiheit feſt beſäße! Aber wo? Für's Erſte nicht in den ſüdlichen Provinzen, wo man damals die ächte Weſenheit der Freiheit nicht überall, oder an vielen Orten leider nur falſch verſtand, wo(wie in Gent) eine augen⸗ blickliche Zügelloſigkeit, gefolgt von dem Despotismus eines Demagogen, dafür gelten konnte. Man würde übrigens ein großes Unrecht begehen, wollte man glauben, daß die Bewohner der ſüdlichen Provinzen der Freiheit nicht fähig waren, oder daß der Katholizismus Freiſinn und Freiheitsluſt abſtumpfen könnte. Der Katholizismus an und für ſich war in jenem Falle außer aller Schuld. Im Gegentheil kann man die letztere vor⸗ zugsweiſe nur den Ausſchweifungen der Exaltirten von der refor⸗ mirten Parthei zurechnen, welche alle Freunde der Ruhe und Ordnung erbitterten, welche durch ihre ungerechten Angriffe gegen die katholiſche Religion und deren Prieſter alle Bekenner derſel⸗ ben gleichſam dazu zwangen, ſich von der ſogenannten Sache der Freiheit abzuwenden, die eigentlich eine Sache der Ge⸗ walt, der Anarchie geworden war. Ganz abgeſehen von allen religiöſen Kontroverſen war die Sache des Katholizismus in den ſüdlichen Niederlanden damals die Sache der meiſten Ver⸗ ſtändigen und Geſetzlichen.
Anders verhielt es ſich in den nördlichen Provinzen. Wie in den ſüdlichen der Katholizismus den Angelpunkt der bürger⸗ lichen Ordnung, ſo bildete in den nördlichen die reformirte Kon⸗


