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war, eben wegen dieſer für einen Atheiſten. Kurz: die Anarchie herrſchte in Gent, und zwar unter der despotiſchen Obergewalt der beiden Demagogen. Die Anarchie mußte noch
zunehmen, wenn dieſe aufeinander eiferſüchtig wurden, und ein
ſolcher Fall konnte nicht lange ausbleiben; die Keime der Eifer⸗ ſucht waren bereits vorhanden, da Hembyze nach der Allein⸗ herrſchaft ſtrebte, Ryhove ſich der oraniſchen Faktion näherte. Schauderhaft war der Anblick des herrlichen Flanderns. Die ſtattlichſten Abteien in der ganzen Umgegend lagen verwüſtet und öde; das Volk litt, ohne ſeufzen zu dürfen, der Pöbel allein freute ſich guter Tage. Auch Ipern wurde in den Kreis des Verderbens hineingezogen; der biſchöfliche Palaſt, die Wohnungen mehrer Kanoniker wurden geplündert.
Während nun die Genter die Sache ſo auf die Spitze trieben, ſchloß ſich die germaniſche Hälfte von Flan⸗ dern an ſie, und unheilbar wurde die Spaltung zwiſchen ihr und der katholiſchen walloniſchen. Ja aus dieſer Spaltung erwuchs raſch ein grimmiger Haß, erwuchs der Bürgerkrieg. Unmöglich konnten die walloniſchen Land⸗ ſchaften Artois, Hennegau, Lille, Douay, Orchies, Tournay, u. ſ. w. länger müßig zuſehen. Sie hatten durch die Genter Pa⸗ cifikation ſieben Stimmen bei der Verſammlung der General⸗ ſtaaten erhalten; ſollten ſie die Vernichtung dieſer Pacifikation durch die Genter und deren Freunde erwarten? Sie waren katholiſch; konnten ſie die freche Verhöhnung ihres Glaubens länger dulden? Auch bei ihnen drohte dem Katholizismus durch den Fanatismus der Gegner die äußerſte Gefahr; es wäre Feigheit geweſen, das Höchſte und Heiligſte ohne Gegenwehr aufzuopfern. Sie thaten den erſten Schritt dagegen, indem ſie mit der Entrichtung ihrer Steuern einhielten. Der nächſte Schritt der Wallonen eröffnete den Bürgerkrieg. Die walloniſchen
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