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Regimenter im Dienſte der Staaten, Egmont, Capres, Bours, Heze und Montigny, ergriffen die Waffen, fielen in das platte Land von Gent ein und plünderten es, zur Wiedervergeltung der Kirchenräubereien von Seiten der Genter. Mit Macht nahmen ſie ſich der geflüchteten Geiſtlichen an, welche ihren Haß gegen die Genter noch ſchärfer anreizten, und lieferten dieſen mehre Treffen, in denen ſie größtentheils den Sieg davon trugen. Man nannte die Edlen, welche für den Katholizismus ritterlich zu fechten be⸗ gannen,(Emmanuel von Lalaing, Herr von Montigny ſtand an deren Spitze) in Gent ſpottweiſe bloß„Paternoſterknechte,“ ins⸗ gemein aber die„Mißvergnügten“ oder„Malkonten⸗ ten.“ Vergeblich ſuchten die Generalſtaaten und der Erzherzog Matthias den Bürgerkrieg zu erſticken; keine Parthei wollte von ihren Forderungen auch nur das Geringſte nachgeben. Die Wallonen verlangten nämlich unbedingte Herſtellung des katholiſchen Kultus, Wiedererbauung der zerſtörten Kirchen und Klöſter, und Freilaſſung der Edlen, die— mit Ausnahme Aerſchots— noch immer in den Gefängniſſen Gents ſchmachteten. Die Genter dagegen beſtanden trotzig darauf, Emmanuel von Lalaing, Herr von Montigny, den ſie als das vornehmſte Haupt der„Malkontenten“ beſonders haßten, müßte ihnen ausgeliefert werden, und ferner: der reformirte Kultus müſſe im ganzen Umfang der Niederlande frei und öffentlich gehalten werden dürfen; dann wollten ſie auch gleiche Begünſtigung dem katholiſchen Gottes⸗ dienſt zukommen laſſen; die Gefangenen hingegen wollten ſie um keinen Preis frei geben; dieſe ſollten ihnen für jeden Fall haften. Dieſe Bedingungen konnte man bis auf die erſte, nicht anders als billig und klug nennen; aber furchtbar bekundete Ryhove den Uebermuth der Gewalt durch die ungeſetzliche Hinrichtung des Rathes Heſſels, eines von den Genter Gefangenen. Das frühere Leben dieſes Heſſels rechtfertigte Ryhoves Gewaltthätig⸗


