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Unter großem Zulauf des Volkes wurde dieſe Bittſchrift auf das Rathhaus gebracht; aber durch ein Mißverſtändniß glaubte das Volk, man beabſichtige dadurch in Brüſſel eine zweite Pa⸗ riſer Bluthochzeit, und rief:„Wie? ſoll auch hier der Bürger den Bürger ermorden? Nein! wir wollen uns dem fügen, was der Staatsrath und die Generalſtaaten beſchließen.“ So wurde Champagnys Plan vereitelt.
Am gefährlichſten war die durch den Religionsfrieden her⸗ vorgerufene Spaltung in Flandern. In Gent traf der religiöſe Fanatismus der Reformirten mit dem politi⸗ ſchen der demokratiſchen Parthei ſo zuſammen, daß beide einander in die Hände arbeiteten, und insbeſondere war es wieder Hembyze, welcher durch den Zeloten Dathenus un⸗ terſtützt, gegen den Religionsfrieden(und gegen Oraniens Superiorität!) eiferte. Die Demagogen hatten den Plan ent⸗ worfen, Gent in eine Feſtung zu verwandeln,— ein wahrhaft chimäriſches Projekt,— und von dieſem Mittelpunkte aus ganz Flandern zu republikaniſiren; ihre eigene Sicherheit ſchien ihnen von der Ausführung dieſes Planes abzuhängen. Ein merkwür⸗ diges Treiben war die Folge davon. Man ſah Hunderte von Menſchen beſchäftigt, niederzureißen und aufzubauen; die Mauern von Kirchen und Klöſtern mußten ihre Steine dazu hergeben. Um die nöthigen Koſten zu erſchwingen, wurden nicht blos die öffentlichen Kaſſen in Anſpruch genommen, wurden nicht blos Privatperſonen(beſonders Katholiken) bedeutend beſteuert und endlich Lebensmittel und Waaren mit Auflagen belegt, ſondern auch die Kirchengüter eingezogen. So vertrieb man die Mönche aus der Abtei zu St. Peter, und die herrlichen Gebäude derſelben dienten nun zu Ställen für die Pferde der Soldaten; in den öden Zellen fanden geflüchtete Bauern eine Zufluchtsſtätte. Die achtzehn Volkstribunen erklärten, daß die neuen Bisthü⸗


