Teil eines Werkes 
1. SupplementbandGeschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande : 1. Band (1841) Von der Ankunft Alba's in den Niederlanden bis zum Tode Don Juan's von Oesterreich : 1567-1578 / fortgesetzt von Eduard Duller
Entstehung
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der Fanatismus jener Zeiten die blühenden Niederlande verwandelt hatte. Das damals lebende Geſchlecht, ſo kühn und gewaltig es oft auftritt, ſo ſehr es uns durch ſeine Großthaten und durch die ungeſchwächte Kraft von ganzer Seele zu lieben und zu haſſen imponirt, es war doch im Allgemeinen noch nicht fähig, das hehre Evangelium der Toleranz zu faſſen. Katholiken wie Proteſtanten hatten an jenem Religionsfrieden Vieles aus⸗ zuſetzen; jede von beiden Konfeſſionen las, aufgeregt durch die furchtbaren Stürme, die ſie umtosten, darin eine Beſchränkung für ſich ſelbſt, einen Triumph der verhaßten Gegnerin. Ant⸗ werpen, die Gröninger Umlande, die Stadt Leeuwaar⸗ den nahmen den Religionsfrieden an; dagegen weigerten ſich Hennegau, Utrecht,(wo die katholiſche Geiſtlichkeit dagegen eiferte) und Geldern, welches kürzlich den Grafen Johann von Naſſau, einen ſtrengen Reformirten, zum Statthalter erbeten und erhalten hatte. Da die Kalviniſten in der letzteren Pro⸗ vinz ſahen, daß ſie durch Bitten nichts erreichten, ſo griffen ſie zur Gewalt und bemeiſterten ſich, mit Hülfe der Soldaten, der Kirchen zu Wachtendonk, Venlo u. ſ. w. Zu Antwer⸗ pen hatten es die Proteſtanten durch ernſtliches Andringen im Auguſt dahingebracht, daß ihnen einige Kirchen eingeräumt wurden, Zu Goes in Seeland erreichten die Proteſtanten im Oktober ihren Zweck durch Gewalt. Selbſt in Brüſſel durch⸗ zuckte eine bedenkliche Aufregung die Gemüther des Volkes. Dort verſuchte es Champagny, aus Beſorgniß für den ka⸗ tholiſchen Kultus, im Auguſt das holländiſche Kriegsvolk aus der Stadt zu ſchaffen, was aber Oranien zu verhindern wußte. Nun brachte es Champagny dahin, daß eine Schrift im Namen der Geiſtlichkeit, des Adels, der ſtädtiſchen Obrigkeit und des Gemeinweſens ausgefertigt ward, deren Inhalt die Bitte aus⸗ ſprach, in Brüſſel keinen proteſtantiſchen Gottesdienſt zu dulden.