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beriefen, den Reformirten eingeräumt und verblieben die⸗ ſen auch.
In einem noch bei weitem höheren Grade als in den nörd⸗ lichen Provinzen äußerte ſich in den katholiſchen ſüd⸗ lichen das Verlangen der Reformirten nach Freiheit ihres Kultus, und das augenſcheinliche Mißtrauen der Staa⸗ ten gegen die Katholiken erhöhte ihren Muth. Indem ſich die Reformirten auch in mehren Städten der ſüdlichen Provinzen der Kirchen bemächtigten, verminderte ſich zuſehends die Zahl der katholiſchen Seelſorger auf eine für den feſten Be⸗ ſtand des Katholizismus ſehr bedenkliche Weiſe; wogegen der Kalvinismus immer weiter um ſich griff. Am 2. Juni 1578 trat zu Dordrecht eine Synode der reformirten Kir⸗ chen(ſowohl der holländiſchen und deutſchen als auch der walloniſchen) zuſammen, unter dem Vorſitz des Zeloten Da⸗ thenus, eines weiland Mönchs von Poperingen, der ganz Gent durch ſeine Predigten in Feuer und Flammen ſetzte. In dieſer Synode wurde unter anderm der Beſchluß gutgeheißen, daß die Refomirten ſchriftlich die freie öffentliche Uebung ihres Kultus verlangen ſollten, ohne je⸗ doch die Katholiken irgendwie beeinträchtigen zu wollen. Am 22. Juni 1578 übergaben ſie dem Erzherzog und dem Staats⸗ rath eine darauf bezügliche Bittſchrift und am 7. Juli eine zweite.
Was ſollten dieſe Beiden nun beginnen? Beharrten ſie feſt auf der Pacifikation von Gent, von der die Reformirten in ihrer Bittſchrift annahmen, daß die Staaten an dieſelbe nicht fürder gebunden ſeien, weil die Spanier ſie ſchon gebrochen hätten,— ſo ſchien bei der unglaublich geſteigerten Aufregung ein Bürgerkrieg unvermeidlich zu ſein; denn der glückliche Er⸗ folg gewaltſamer Maßregeln lockte verführeriſch zur Nachahmung,


