311
treffen, benützte Oranien klug und raſch dieſe Zeit, um mit den verſammelten Staaten in Brüſſel die Bedingungen zu entwerfen, welche Matthias beſchwören mußte, um die Aner⸗ kennung als Generalſtatthalter zu erlangen. Der wohler⸗ ſonnene und feſtgegliederte Plan war in ſeinem ganzen Umfang ein Meiſterwerk von weiſer Politik. Man kann in demſelben drei Abſtufungen unterſcheiden, deren eine die andere vorbereitete. Das erſte Moment bildet der unter Oraniens Einfluß erlaſſene Beſchluß der Staaten vom 7. Dezember 1577, worin Don Juan der Statthalterſchaft für verluſtig und für einen Feind der Niederlande erklärt wurde. Die Na⸗ tion erklärte ſich dadurch für kompetent in ihrer höchſten Ange⸗ legenheit und übte einen Akt aus, der bisher nur dem Könige zuſtand; dieſe Abſetzung erſcheint noch wichtiger als jene Ver⸗ leihung der Würde an Oranien durch die Nation. Auch alle Anhänger Don Juans wurden noch am ſelben Tage durch ein Plakat, welches den Namen des Königs an der Stirne trug, für Feinde des Vaterlandes und an Leben und Gütern ver⸗ fallen erklärt; jede Unterſtützung Don Juans durch Rath und That, jede Gemeinſchaft mit ihm wurde unter ſtrengen Strafen verboten. Der König hatte einſt die ganze Nation geächtet; jetzt ächtete dieſe den Mann, der deſſen Perſon vorſtellte;— Don Juan hatte die Nation hintergangen; dafür ſtieß ihn dieſe aus. Als nächſte Folge reihte ſich an dieſe wichtige Vorſichts⸗ maßregel am 18. Dezember das zweite Moment, das edelſte in dem ganzen Werke jener Politik und gleichſam der belebende Mittelpunkt derſelben; alle Niederländer ſchloſſen nämlich durch die Generalſtaaten zu Brüſſel eine„neue“ oder„nähere Union,“ deren Grundlage die religiöſe Toleranz war. Wer erkennt hierin nicht Oraniens Geiſt! Stetis hatte Oranien ja in der moraliſchen Kraft der Toleranz die einzige


