Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Werk in einem groͤßern Style mit aller Anſtrengung ſeiner Kraͤfte, auszu⸗ fuͤhren, beſchloß der edle Kuͤnſtler in dem Augenblicke der hoͤchſten Ruͤhrung, da er die Nachricht von dem Tode ſeines Freundes erhielt. Goͤthes Worte über Schillern moͤgen dieſen Aufſatz beſchließen:

Es glühte ſeine Wange roth und roͤther

Von jener Jugend, die uns nie verfliegt,

Von jenem Muth, der fruͤher oder ſpaͤter

Den Widerſtand der ſtumpfen Welt beſiegt,

Von jenem Glauben, der ſich, ſtets erhoͤhter,

Bald kuͤhn hervordraͤngt, bald geduldig ſchmiegt,

Damit das Gute wirke, wachſe, fromme,

Damit der Tag des Edeln endlich komme.

Und manche Geiſter, die mit ihm gerungen, Sein groß Verdienſt unwillig anerkannt,

Sie fuͤhlten ſich von ſeiner Kraſt durchdrungen, In ſeinem Kreiſe willig feſt gebannt.

Zum Hoͤchſten hat er ſich emporgeſchwungen, Mit Allem, was wir ſchaͤtzen, eng verwandt. So feiert ihn! Denn, was dem Mann das Leben Nur halb ertheilt, ſoll ganz die Nachwelt geben.

Charlotte von Schiller.

Charlotte von Schiller, geborne von Lengefeld, erblickte im November 1766 in Schwarzburg⸗Rudolſtadt das Licht der Welt. Im Februar 1790 wurde ſie Schillers Gattin. Fuͤnſzehn Jahre hindurch war ſie ſeine gluͤckliche Lebensgefaͤhrtin.

Nur immer wiederkehrende Sorge um ſeine Geſundheit konnte dies ſchöne Daſeyn truͤben. Im Fruͤhling des ſechzehnten Jahres ihrer Ehe entriß ihn der Tod ihren Armen, der Welt.

Charlotte lebte ganz in Schiller. und einzig ſuͤr ihn. Ein Weſen voll reiner, ſinniger Empſaͤnglichkeit fuͤr die Aufnahme ſeiner Ideen immer um ſich zu finden, war ihm Beduͤrfniß, und in ſeinen Mittheilungen ſand Char⸗ lotte ihr hoͤchſtes Gluͤck.Sie folgte gern, denn ihr ward leicht zu folgen.