Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Diener ſeiner Diener wird, um ſeine Herrſchaft zu behaupten? Und ſo kann es vielleicht geſchehen ſeyn, daß ich, indem ich die deutſchen Buͤhnen mit dem Geraͤuſch meiner Stuͤcke erfuͤllte, auch von den deutſchen Buͤh⸗ nen etwas angenommen habe.

Nachdem Schiller einmal durch den Wallenſtein die Meiſterſchaft errun⸗ gen hatte, folgten ſeine übrigen dramatiſchen Werke ſchnell auf einander, obgleich ſeine Thaͤtigkeit oft durch koͤrperliche Leiden und beſonders im Jahre 1799 durch Sorge fuür eine geliebte Gattin, bei ihrer damaligen gefaͤhrlichen Krankheit, unterbrochen wurde. Wallenſtein erſchien 1799, Maria Stuart 1800, die Jungfrau von Orleans 1801, die Braut von Meſſina 1803 und Wilhelm Tell 1804. In eben dieſem Jahre feierte er die Ankunft der ruſſiſchen Großfuͤrſtin, die ſich mit dem Erbprin⸗ zen von Sachſen⸗Weimar vermaͤhlte, durch die HSuldigung der Kuͤnſte. Alle dieſe Werke ließen ihm noch Zeit uͤbrig, Shakeſpeares Macbeth und Gozzis Turandot für das deutſche Theater zu bearbeiten. Spaͤter wurden noch Racines Phaͤdra und zwei franzſiſche Luſtſpiele von ihm überſetzt. In den Zwiſchenzeiten beſchaͤftigten ihn mehrere dramatiſche Plane, wovon ſich ein Theil unter ſeinen Papieren aufgefunden hat.

Auch fuͤr eine Komoͤdie hatte er einen Stoff gefunden, fuͤhlte ſich aber zu fremd ſuͤr dieſe Gattung.

Zwar glaube ich mich, ſchrieb er einem Freunde,derjenigen Komoͤdie, wo es mehr auf eine komiſche Zuſammenfuͤgung der Begebenheiten, als auf komiſche Charaktere und auf Humor ankommt, gewachſen; aber meine Natur iſt doch zu ernſt geſtimmt, und, was keine Tiefe hat, kann mich nnicht lange anziehen.

Nach der Ueberſetzung der Phaͤdra hatte er ein neues dramatiſches Gedicht begonnen, wovon die Geſchichte des falſchen Demetrius in Rußland der Stoff war. Bei dieſem Werke, mitten im Vollgefuͤhl ſeiner geiſtigen Kraft, ergriff ihn der Tod. Ein heftiger Ruͤckfall ſeiner gewoͤhnlichen Bruſtkrankheit endigte ſein Leben am 9. Mai 1805.

Er hinterließ eine Wittwe, zwei Soͤhne und zwei Toͤchter. Von ſeinen drei Schweſtern war die juͤngſte vor ihm geſtorben; die aͤlteſte aber lebt in Meiningen als Gattin des daſigen Hofraths Reinwald, und die zweite iſt an den Stadtpfarrer Frankh zu Moͤckmuͤhl, im Koͤnigreiche Wuͤrttem⸗ berg, verheirathet.

Schillers Geſichtszuͤge ſind am Treueſten und Geiſtvollſten in einer koloſſalen Buͤſte von Dannecker in Stuttgart dargeſtellt worden. Eine fruͤher verſertigte Buͤſte in Lebensgroͤße, wozu Schiller waͤhrend ſeines letzten Aufenthals in Schwaben geſeſſen hatte, lag dabei zum Grunde, und dieſes