Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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er in ſpaͤtern Jahren noch Manches, nachdem andere kleinere Gedichte ſeltner von ihm erſchienen.

Seit dem Jahre 1799 widmete er ſich ganz den dramatiſchen Arbeiten und gab die Herausgabe des Muſenalmanachs auf. Die Horen hatten ſchon fruͤher geendigt. Goͤthes Propylaͤen indeſſen, fuͤr die ſich Schiller ſehr lebhaft inter⸗ eſſirte, ſollten Beitraͤge von ihm erhalten.

In eben dieſe Zeit trifft auch eine Veraͤnderung ſeines Wohnorts. Um die Anſchauung des Theaters zu haben, wollte Schiller anfaͤnglich nur den Winter in Weimar zubringen und waͤhrend des Sommers auf einem Garten bei Jena leben, den er ſich dort gekauft hatte. Aber ſpaͤterhin wurde Weimar ſein beſtaͤndiger Aufenthalt. Von dem regierenden Herzoge wurde er bei dieſer Gelegenheit auf eine ſehr edle Art unterſtuͤtzt, ſo wie ihn uͤberhaupt dieſer Fuͤrſt bei jedem Anlaſſe durch die deutlichſten Beweiſe ſeines Wohlwol⸗ lens erfreute. Ihm verdankte Schiller im Jahr 1795, als er einen Ruf als Profeſſor nach Tuͤbingen erhielt, die Zuſicherung einer Verdoppelung ſeines Gehaltes, auf den Fall, daß er durch Krankheit an ſchriftſtelleriſchen Arbeiten verhindert wuͤrde, nachher im Jahr 1799 eine fernere Zulage und zuletzt im Jahr 1804, wegen bedeutender Anerbietungen, die Schillern von Berlin aus gemacht wurden, eine Vermehrung ſeiner Beſoldung. Auch war es der Herzog von Sachſen⸗Weimar, der aus eigner Bewegung im Jahr 1802 Schillern den Adelsbrief auswirkte.

Außer Goͤthes Naͤhe hatte der Aufenthalt in Weimar fuͤr Schillern noch andere erhebliche Vortheile. Zu ſeiner Aufheiterung diente beſonders ein damals errichteter froͤhlicher Klubb, fuͤr den er, ſo wie Goͤthe, einige geſell⸗ ſchaftliche Lieder dichtete. Die vier Weltalter und das Lied an die Freunde entſtanden auf dieſe Art. Das Theater gab Schillern vielen Genuß, und gern beſchaͤftigte er ſich auch mit der hoͤhern Ausbildung der dortigen Schauſpieler.

Seine Anſichten der Kunſt und Kritik in dieſer letzten Periode ſeines Le⸗ bens ergeben ſich aus folgenden Fragmenten ſeiner damaligen Briefe:

Sie muͤſſen ſich nicht wundern, wenn ich mir die Wiſſenſchaft und die Kunſt jetzt in einer groͤßern Entfernung und Entgegenſetzung denke, als ich vor einigen Jahren vielleicht geneigt geweſen bin. Meine ganze Thaͤ⸗ tigkeit hat ſich gerade jetzt der Ausuͤbung zugewendet: ich erfahre taͤglich, wie wenig der Poet durch allgemeine reine Begriſſe bei der Aus⸗ vuͤbung gefoͤrdert wird, und waͤre in dieſer Stimmung zuweilen unphilo⸗ ſophiſch genug, Alles, was ich ſelbſt und Andre von der Elementar⸗Aeſthetik wiſſen, fuͤr einen einzigen empiriſchen Vortheil, fuͤr einen Kunſtgriff des Handwerks hinzugeben. In Ruͤckſicht auf das Hervorbringen werden Sie