Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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beſteht in einem gewiſſen Ganzen von Epigrammen, deren jedes ein Mo⸗ nodiſtichon iſt. Das Meiſte iſt wilde Satire, beſonders auf Schriftſteller und ſchriftſtelleriſche Producte, untermiſcht mit einzelnen poetiſchen und philoſophiſchen Gedanken⸗Blitzen. Es werden nicht unter 600 ſolche Monodiſtichen werden, aber der Plan iſt, auf 1000 zu ſteigen. Sind wir mit einer bedeutenden Anzahl fertig, ſo wird der Vorrath, mit Ruͤckſicht auf eine gewiſſe Einheit, ſortirt, uͤberarbeitet, um einerlei Ton zu erhalten und Jeder wird dann von ſeiner Manier etwas aufzuopfern ſuchen, um ſich dem Andern mehr anzunaoͤhern.

Dieſer Plan wurde nicht ausgefuͤhrt. Im Julius 1796 ſchrieb Schiller daruͤber Folgendes:

Nachdem ich die Redaction der renien gemacht hatte, ſand ſich, daß noch eine erſtaunliche Menge neuer Monodiſtichen noͤthig ſey, wenn die Sammlung auch nur einigermaßen den Eindruck eines Ganzen machen ſollte. Weil aber etliche hundert neue Einfaͤlle, beſonders uͤber wiſſen⸗ ſchaftliche Gegenſtaͤnde, Einem nicht ſo leicht zu Gebote ſtehen, auch die Vollendung desMeiſters« Goͤthen eine ſtarke Diverſion macht, ſo ſind wir übereingekommen, die Fenien nicht als ein Ganzes, ſondern zerſtuͤckelt dem Almanach einzuverleiben. Die ernſthaften, philoſophiſchen und poe⸗ tiſchen werden daraus vereinzelt und bald in groͤßern, bald in kleinern Ganzen vorn im Almanach angebracht. Die ſatiriſchen folgen unter dem Namen enien nach.

Es mag ſeyn, daß bei dieſem Verfahren manches Epigramm auſgenom⸗ men wurde, das bei einer ſtrengen Auswahl nach dem erſten Plane wegge⸗ blieben waͤre. Schiller war allerdings damals gereizt, nicht durch Bemerkungen uber die Maͤngel ſeiner Producte denn hieruͤber war Niemand ſcharfſichtiger als er ſelbſt, wie ſich aus obigen Stellen ſeiner Briefe ergibt, und jeden ſeiner Freunde ſorderte er zu freimuͤthigen Urtheilen auf ſondern, weil ihn die Kaͤlte und Geringſchaͤtzung erbitterte, womit ein Unternehmen, wofuͤr er ſich begeiſtert hatte, von mehreren Seiten aufgenommen wurde. Dies war der Fall bei den Horen. Im Vertrauen auf den Beiſtand der erſten Schriftſteller der Nation hatte er auf eine große Wirkung gerechnet und traf dagegen ſehr oft auf Mangel an Empfaͤnglichkeit und kleinliche Anſichten. Es konnte ihm dann wohl in einer Aufwallung der Indignation auch etwas Menſchliches begegnen; aber der eigentliche Geiſt, in dem die Kenien geſchrieben ſind, ſpricht ſich fur den unbefangenen Leſer im Ganzen deutlich genug gus.

Ein Wetteiſer mit Goͤthe veranlaßte im Jahr 1797 Schillers erſte Bal⸗ laden. Beide Dichter theilten ſich in die Stoffe, die ſie gemeinſchaſtlich aus⸗ geſucht hatten. Von dieſer Gattung,⸗ die Schillern lieb geworden war, lieferte