Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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es auch mit, und auf mehr macht es, ſeinem Geſchlechte nach, nicht

Anſpruch.

Das Reich der Schatten, ſchreibt er ferner,iſt, mit der Elegie verglichen, bloß ein Lehrgedicht. Waͤre der Inhalt ſo poetiſch ausgefuͤhrt worden, wie der Inhalt der Elegie, ſo waͤre es in gewiſſem Sinne ein Maximum geweſen. Und Das will ich verſuchen, ſobald ich Muße bekomme. Ich will eine Idylle ſchreiven, wie ich hier eine Elegie ſchrieb. Alle meine pvetiſchen Kraͤfte ſpannen ſich zu dieſer Energie an das Ideal der Schoͤnheit objectiv zu individualiſiren, um daraus eine Idhlle in meinem Sinne zu bilden. Ich theile naͤmlich das ganze Feld der Poeſie in die naive und die ſentimentaliſche. Die naive hat gar keine Unterarten(in Ruͤckſicht auf die Empfindungsweiſe naͤmlich), die ſentimentaliſche hat ihrer drei: Satire, Elegie, Idylle. In der ſentimen⸗ taliſchen Dichtkunſt(und aus dieſer heraus kann ich nicht) iſt die Idylle das hoͤchſte, aber auch das ſchwierigſte Problem. Es wird nämlich auf⸗ gegeben, ohne Beihuͤlſe des Pathos einen hohen, ja, den hoͤchſten poetiſchen Effect hervorzubringen. Mein Reich der Schatten enthaͤlt dazu nur die Regel; ihre Befolgung in einem einzelnen Falle wuͤrde die Idylle, von der ich rede, erzeugen. Ich habe ernſilich im Sinne, da fortzufahren, wo das Reich der Schatten aufhoͤrt. Die Vermaͤhlung des Hercules mit der Hebe wuͤrde der Inhalt meiner Idylle ſeyn. Ueber dieſen Stoff hinaus gibt es keinen mehr fuͤr den Poeten, denn dieſer darf die menſch⸗ liche Natur nicht verlaſſen, und eben von dieſem Uebertritt des Menſchen in den Gott wuͤrde dieſe Idylle handeln. Die Hauptfiguren waͤren zwar ſchon Goͤtter, aber durch Hercules kann ich ſie noch an die Menſchheit anknuͤpfen und eine Bewegung in das Gemaͤlde ibringen. Gelaͤnge mir dieſes Unternehmen, ſo hoffte ich dadurch mit der ſentimentaliſchen Poeſie über die naive ſelbſt triumphirt zu haben.

Eine ſolche Idylle wuͤrde eigentlich das Gegenſtück der hohen Komoͤdie ſeyn und ſie auf einer Seite(in der Form) ganz nahe berühren, indem ſie auf der andern und im Stoff das directe Gegentheil davon waͤre. Die Komoͤdie ſchließt naͤmlich gleichfalls alles Pathos aus, aber ihr Stoff iſt die Wirklichkeit: der Stoff dieſer Idylle iſt ds Ideal. Die Ko⸗ moͤdie iſt Dasjenige in der Satire, was das Product quaestionis in der Idylle(dieſe als ein eigenes ſentimentaliſches Geſchlecht betrachtet) ſeyn wüͤrde. Zeigte es ſich, daß eine ſolche Behandlung der Idylle unausfuͤhrbar waͤre daß ſich das Ideal nicht individualiſiren ließe ſo wuͤrde die Ko⸗ moͤdie das hoͤchſte poetiſche Werk ſeyn, ſuͤr welches ich ſie immer gehalten habe, bis ich anfing, an die Moͤglichkeit einer ſolchen Idylle zu glauben.