Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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In der Mitte des Jahres 1793 ſchrieb Schiller:Die Liebe zum Vater⸗ land iſt ſehr lebhaft in mir geworden.

Er unternahm die Reiſe nach Schwaben, lebte vom Auguſt an bis zum Mai des ſolgenden Jahres theils in Heilbronn, theils in Ludwigsburg und freute ſich des Wiederſehens ſeiner Eltern, Schweſtern und Jugerddfreunde. Von Heilbronn aus ſchrieb er an den Herzog von Wuͤrttemberg, gegen den er ſich durch ſeine Entfernung von Stuttgart vergangen hatte. Er er⸗ hielt zwar keine Antwort, aber die Nachricht, der Herzog habe offentlich ge⸗ außert: Schiller werde nach Stuttgart kommen und von ihm ignorirt werden. Dies beſtimmte Schillern, ſeine Reiſe fortzuſetzen, und er fand in der Folge, daß er nichts dabei gewagt hatte. Auch betrauerte er eben dieſen Herzog, der kurz nachher ſtarb, mit einem innigen Geſühle der Dankbarkeit und Verehrung.

Schiller kehrte nach Jena zuruͤck, voll von einem ſchon lange entworf⸗ nen, aber nun reif gewordnen Plane, die vorzüglichſten Schriftſteller Deutſch⸗ lands zu einer Zeitſchrift zu vereinigen, die Alles übertreſſen ſollte, was jemals von dieſer Gattung exjſirrt hatte. Ein unternehmender Ver⸗ leger war dazu gefunden, und die Herausgabe der Horen wurde beſchloſſen. Die Thalia war mit dem Jahrgang 1793 geendigt worden. Fuͤr die neue Zeitſchrift oͤffneten ſich ſehr guͤnſtige Ausſichten, und auf die Einladung zur Theilnehmung erfolgten von allen Seiten vielverſprechende Antworten.

Jena erhielt damals füͤr Schillern einen neuen Reiz, da Wilhelm v. Humboldt, der aͤltere Bruder des beruͤhmten Reiſenden, ſich dahin be⸗ geben hatte und mit Schillern dort in der genaueſten Verbindung lebte. In dieſe Zeit trifft auch der Anfang des ſchoͤnen und nachher immer feſter ge⸗ knuͤpften Bundes zwiſchen Goͤthe und Schiller, der für Beide den Werth ihres Lebens erhoͤhte. Ueber die Veranlaſſung dieſes Ereigniſſes finden ſich ſolgende Stellen in Schillers Briefen:

Bei meiner Zurückkunft(von einer damaligen kleinen Reiſe) fand ich einen ſehr herzlichen Brief von Goͤthe, der mir mit Vertrauen entgegen kommt. Wir hatten vor ſechs Wochen uͤber Kunſt und Kunſttheorie ein Langes und Breites geſprochen und uns die Hauptideen mitgetheilt, zu denen wir auf ganz verſchiedenen Wegen gekommen waren. Zwiſchen dieſen Ideen fand ſich eine unerwartete Uebereinſtimmung, die um ſo in⸗ tereſſanter war, weil ſie wirklich aus der groͤßten Verſchiedenheit der Ge⸗ ſichtspunkte hervorging. Ein Jeder konnte dem Andern etwas geben, was Siehe: Briefwechſel zwiſchen Schiller und Wilhelm v. Humboldt. Mit

einer Vorerinnerung über Schiller und den Gang ſeiner Geiſtesentwickelung von W. v. Hum⸗ boldt. Stutigart und Tübingen. J. G. Cotta'ſche Buchhandlung. 1830.