Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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meinem Leben, das ich Urſache habe ſehr zu Rathe zu halten, und ſetze mich der Gefahr aus, ein verungluͤcktes Product zu erzeugen. Was ich im Dramatiſchen zur Welt gebracht, iſt nicht ſehr geſchickt, mir Muth zu machen. Im eigentlichſten Sinne des Worts betrete ich eine mir ganz unbekannte, wenigſtens unverſuchte Bahn: denn im Poetiſchen habe vich ſeit drei bis vier Jahren einen voͤllig neuen Menſchen angezogen.

Nicht lange vor dieſen Aeußerungen hatte Schiller eine Reviſion ſeiner Gedichte vorgenommen, und aus ſeinen damaligen Anſichten wird die Strenge begreiflich, mit der er ſeine fruͤhern Producte behandelte. Gleich⸗ wohl darf man nicht glauben, daß uͤberhaupt damals eine hypochondriſche Stimmung durch koͤrperliche Leiden bei ihm hervorgebracht worden waͤre. Mehrere Stellen aus ſeinen Brieſen beweiſen, daß er eben in dieſer Zeit ſuͤr begeiſternde Wirkſamkeit und fuͤr edlern Lebensgenuß nichtz weniger als er⸗ ſtorben war.

Als nach Ausbruch der franzoͤſiſchen Revolution das Schickfal Ludwigs XVI. entſchieden werden ſollte, ſchrieb Schiller im December 1792 Folgendes an einen Freund:

Weißt du mir Niemand, der gut ins Franzoͤſiſche uͤberſetzte, wenn ich vetwa in den Fall kaͤme, ihn zu brauchen? Kaum kann ich der Verſuchung widerſtehen, mich in die Streitſache wegen des Koͤnigs einzumiſchen und vein Memoire darüber zu ſchreiben. Mir ſcheint dieſer Unternehmung wichtig genug, um die Feder eines Vernunſtigen zu beſchaͤftigen, und ein deutſcher Schriftſteller, der ſich mit Freiheit und Beredſamkeit über dieſe Streitfrage erklaͤrt, dürſte wahrſcheinlich auf dieſe richtungsloſen Koͤpfe einen Eindruck machen. Wenn ein Einziger aus einer ganzen Nation ein voͤffentliches Urtheil ſagt, ſo iſt man wenigſtens auf den erſten Eindruck geneigt, ihn als Wortfuͤhrer ſeiner Klaſſe, wo nicht ſeiner Nation, anzu⸗ ſehen, und ich glaube, daß die Franzoſen gerade in dieſer Sache gegen fremdes Urtheil nicht ganz unempfindlich ſind. Außerdem iſt gerade dieſer Stoff ſehr geſchickt dazu, eine ſolche Vertheidigung der guten Sache zuzulaſſen, die keinem Mißbrauch ausgeſetzt iſt. Der Schriſtſteller, der fuͤr die Sache des Koͤnigs offentlich ſtreitet, darf bei dieſer Gelegenheit ſchon einige wichtige Wahrheiten mehr ſagen, als ein anderer, und hat »auch ſchon etwas mehr Credit. Vielleicht raͤthſt du mir an, zu ſchweigen, vaber ich glaube, daß man bei ſolchen Anlaͤſſen nicht indolent und unthaͤtig bleiben darf. Faͤtte jeder freigeſinnte Kopf geſchwiegen, ſo waͤre nie ein Schritt zu unſerer Verbeſſerung geſchehen. Es gibt Zeiten, wo man oͤf⸗ ſentlich ſprechen muß, weil Empfänglichkeit dafuͤr da iſt, und eine ſolche Zeit ſcheint mir die jetzige zu ſeyn.«