Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Vorzuͤglich gab ihm die Geſchichte des dreißigjaͤhrigen Krieges, die er fuͤr Goͤſchens hiſtoriſche Almanache vom Jahr 1791 an bearbeitete, Stoff zu poetiſcher Thaͤtigkeit. Einige Zeit beſchaͤftigte ihn der Gedanke, Guſtav Adolph zum Helden eines epiſchen Gedichts zu waͤhlen, wie aus folgender Stelle ſeiner Briefe zu erſehen iſt:

Unter allen hiſioriſchen Stoffen, wo ſich poetiſches Intereſſe mit na⸗ tionellem und politiſchem noch am Meiſten gattet, ſteht Guſtav Adolph oben an. Die Geſchichte der Menſchheit gehoͤrt als unent⸗ behrliche Epiſode in die Geſchichte der Reſormation, und dieſe iſt mit dem dreißigjaͤhrigen Kriege unzertrennlich verbunden. Es kommt alſo bloß auf den ordnenden Geiſt des Dichters an, in einem Heldengedicht, das von der Schlacht bei Leipzig bis zur Schlacht bei Luͤtzen geht, die ganze Geſchichte der Menſchheit ungezwungen, und zwar mit weit mehr Intereſſe zu behandeln, als wenn Dies der Hauptſtoff geweſen waͤre.

Aus eben dieſer Zeit iſt auch die erſte Idee zum Wallenſtein. Als ſchon im Jahre 1792 dieſe Idee zur Ausfuͤhrung kommen ſollte, ſchrieb Schiller daruͤber Folgendes:

Eigentlich iſt es doch nur die Kunſt ſelbſt, wo ich meine Kraͤfte fuͤhle;

in der Theorie muß ich mich immer mit Principien plagen: da bin ich bloß Dilettant. Aber um der Ausfuhrung ſelbſt willen philoſophire ich gern uͤber die Theorie. Die Kritik muß mir jetzt ſelbſt den Schaden er⸗ ſetzen, den ſie mir zugefuͤgt hat. Und geſchadet hat ſie mir in der That; denn die Kuͤhnheit, die lebendige Glut, die ich hatte, ehe mir noch eine Regel bekannt war, vermiſſe ich ſchon ſeit mehreren Jahren. Ich ſehe mich jetzt erſchaffen und bilden, ich beobachte das Spiel der Be⸗ geiſterung, und meine Einbildungskraft betraͤgt ſich mit minder Freiheit, ſeitdem ſie ſich nicht mehr ohne Zeugen weiß. Bin ich aber erſt ſo weit, daß mir Kunſtmaͤßigkeit zur Natur wird, wie einem wohlgeſitteten Menſchen die Erziehung, ſo erhaͤlt auch die Fantaſie ihre vorige Freiheit wieder zuruͤck und ſetzt ſich keine andere al freiwillige Schranken.

Aber es ſollten noch ſieben Jahre vergehen, ehe der Wallenſtein fertig wurde, und es gab einen Zeitpunkt der Muthloſigkeit, da Schiller dieſes Werk beinahe ganz auſgegeben haͤtte. In ſeinen Brieſen vom Jahre 179 findet ſich folgende Stelle:

Vor dieſer Arbeit(dem Wallenſtein) iſt mir ordentlich angſt und bang, denn ich glaube mit jedem Tage mehr zu finden, daß ich eigentlich nichts weniger vorſtellen kann, als einen Dichter, und daß hoͤchſtens da, wo ich philoſophiren will, der poetiſche Geiſt mich uͤberraſcht. Was ſoll ich thun? Ich wage an dieſe Unternehmung ſieben bis acht Monate von