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„aufloͤſen laͤßt. Der Dichter, der ſich nur Schoͤnheit zum Zweck ſetzt, aber „dieſer heilig ſolgt, wird am Ende alle andere Rückſichten, die er zu ver⸗ „nachlaͤſſigen ſchien, ohne daß er es will oder weiß, gleichſam zur Zugabe „mit erreicht haben, da im Gegentheile der, der zwiſchen Schoͤnheit und „Moralitaͤt, oder was es ſonſt ſey, unſtaͤt flattert oder um Beide buhlt, „leicht es mit jeder verderbt.“
In einem andern damaligen Brieſe findet ſich ſolgende Aeußerung:
„Ihr Herren Kritiker, und wie ihr euch ſonſt nennet, ſchaͤmet oder „fuͤrchtet euch vor dem augenblichlichen voruͤbergehenden Wahnwitze, der „ſich bei allen eignen Schoͤpfern findet, und deſſen laͤngere oder kürzere „Dauer den denkenden Kuͤnſiler von dem Traͤumer unterſcheidet. Daher eure „Klagen uͤber Unfruchtbarkeit, weil ihr zu ſruͤhe verwerſt und zu ſtrenge ſondert.“
Die gluͤckliche Stimmung, die in der damaligen Zeit aus Schillers
Briefen hervorging, wurde in den beiden erſten Jahren ſeines Aufenthalts in Jena noch erhoͤht, als mehrere guͤnſtige Umſtaͤnde ihn von der aͤngſtlichen Sorge fuͤr die Gegenwart und Zukunſt befreiten, und als der Beſitz einer geliebten Gattin einen laͤngſt gewuͤnſchten Lebensgenuß ihm darbot. Sein Lehramt begann er auf eine ſehr glaͤnzende Art: uüber vierhundert Zuhörer ſiroͤmten zu ſeinen Vorleſungen. Die Unternehmung einer Herausgabe von Memoiren, wozu er einleitende Abhandlungen ſchrieb, und die Fortſetzung der Thalia ſicherten ihm fuͤr ſeine Beduͤrfniſſe eine hinlaͤngliche Einnahme. Es blieb ihm dabei noch Zeit zu Recenſionen fuͤr die allgemeine Literatur⸗ Zeitung uͤbrig, zu der er ſchon ſeit 1787 Beitraͤge lieſerte. Fuͤr die Zukunft hatte ihn der Buchhaͤndler Goͤſchen zu einer Geſchichte des dreißigjaͤhrigen Kriegs fuͤr einen hiſtoriſchen Almanach aufgeſordert, und ein deutſcher Plutarch war die Arbeit, die den ſfolgenden Jahren vorbehalten wurde. Von dem Herzoge von Sachſen⸗Weimar war mit großer Bereitwilligkeit, ſo⸗ viel es die Verhaͤltniſſe erlaubten, beigetragen worden, um Schillern ein gewiſſes Einkommen zu verſchaffen. Das ausgezeichnete Wohlwollen, womit ihn der damalige Coadjutor von Mainz und Statthalter von Erſurt, der verſtorbene Fuͤrſt Primas und Großherzog von Frankfurt, behandelte,* er⸗ öͤffnete Schillern die guͤnſtigſten Ausſichten. Fuͤr die Gruͤndung ſeines haͤus⸗ lichen Gluͤcks ſchien er nichts weiter zu beduͤrſen; ſein Herz hatte gewaͤhlt, und im Februar 1790 erhielt er die Hand des Fraͤuleins von Lengefeld. Seine Brieſe aus den nachherigen Monaten enthalten ſolgende Stellen:
„Es lebt ſich doch ganz anders an der Seite einer lieben Frau, als ſo „verlaſſen und allein— auch im Sommer. Jettt erſt genieße ich die ſchoͤne
* Eben dieſer Fürſt erſreute Schillern in der Folge durch ſortgeſetzte ſchriftliche Beweiſe des wärmſten Antheils an ſeinen Schickſalen.


