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„Geſchmack zu reinigen, der ſich durch Spitzfindigkeit, Kuͤnſtlichkeit und „Witzelei ſehr von der wahren Simplicitäͤt zu entſernen anfing.“
In dieſer Zeit uͤberſetzte er auch die Iphigenie in Aulis und einen Theil der Phoͤnicierinnen des Euripides. Der Agamemnon des Aeſchylus, auf den er ſich ſehr freute, ſollte nachher an die Reihe kommen. Die Ueberſetzungen aus Virgils Aeneis entſtanden ſpaͤter und wurden groͤßtentheils durch Schil⸗ lers damalige Vorliebe fuͤr die Stanzen veranlaßt. Buͤrger war im Jahr 1789 nach Weimar gekommen, und Schiller ging einen Wettſtreit mit ihm ein. Beide wollten dasſelbe Stüͤck aus dem Virgil, jeder in einem ſelbſige⸗ waͤhlten Versmaße, uͤberſetzen.
Wie ſehr Schiller in dieſer Periode ſeines Lebens die echte Kritik ehrte, und mit welcher Strenge er ſich ſelbſt behandelte, ergibt ſich aus folgenden Stellen ſeiner Briefe:
„Mein naͤchſtes Stück,“ ſchreibt er,„das ſchwerlich in den naͤchſten zwei „Jahren erſcheinen duͤrſte, muß meinen dramatiſchen Beruf entſcheiden. „Ich traue mir im Drama dennoch am Allermeiſten zu, und ich weiß, „worauf ſich dieſe Zuverſicht gruͤndet. Bis jetzt haben mich die Plane, die „mich ein blinder Zuſall waͤhlen ließ, aufs Aeußerſte embarraſſirt, weil die „Compoſition zu weitlaͤufig und zu kuͤhn war. Laß mich einmal einen „ſimpeln Plan behandeln und daruͤber bruͤten.“
Wieland hatte ihm den Mangel an Leichtigkeit vorgeworfen.
„Ich fühle,“ ſchreibt er daruͤber,„waͤhrend meiner Arbeiten nur zu ſehr, „daß er Recht hat, aber ich fühle auch, woran der Fehler liegt, und Dies „laͤßt mich hoffen, daß ich mich ſehr darin verbeſſern kann. Die Ideen „ſtroͤmen mir nicht reich genug zu, ſo uppig meine Arbeiten auch ausfallen, „und meine Ideen ſind nicht klar, ehe ich ſchreibe. Fuͤlle des Geiſtes und „Herzens von ſeinem Gegenſtande, eine lichte Daͤmmerung der Ideen, ehe „man ſich hinſetzt, ſie aufs Papier zu werſen, und leichter Humor ſind „nothwendige Requiſiten zu dieſer Eigenſchaft; und, wenn ich es einmal „mit mir ſelbſt dahin bringe, daß ich jene drei Erforderniſſe beſitze, ſo ſoil „es mit der Leichtigkeit auch werden.“
Ein ſolches Streben, jede hoͤhere Forderung zu befriedigen, artete jedoch nie in kleinliche Aengſtlichkeit aus. Ueber die Freiheit des Dichters in der Wahl ſeines Stoffs ſchrieb er damals Folgendes:
„Ich bin uͤberzeugt, daß jedes Kunſtwerk nur ſich ſelbſt, Das heißt, ſeiner „eigenen Schoͤnheitsregel Rechenſchaft geben darf und keiner andern For⸗ „derung unterworfen iſt. Hingegen glaube ich auch feſtiglich, daß es ge⸗ „rade auf dieſem Wege auch alle uͤbrige Forderungen mittelbar befrie⸗ „digen muß, weil ſich jede Schoͤnheit doch endlich in allgemeine Wahrheit


