Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Die Idee, ein cpiſches Gedicht aus einer merkwuͤrdigen Action Fried⸗ richs des Zweiten zu machen, iſt gar nicht zu verwerſen, nur kommt ſie fuͤr ſechs bis acht Jahre fuͤr mich zu fruͤh. Alle Schwierigkeiten, die von der ſo nahen Modernitaͤt dieſes Sujets entſtehen, und die anſchei⸗ nende Unvertraͤglichkeit des epiſchen Tons mit einem gleichzeitigen Ge⸗ genſtande wuͤrden mich ſo ſehr nicht ſchrecken. Ein epiſches Gedicht im achtzehnten Jahrhundert muß ein ganz anderes Ding ſeyn, als eines in der Kindheit der Welt. Und eben Das iſt's, was mich an dieſe Idee ſo anzieht. Unſere Sitten, der ſeinſte Duft unſerer Philoſophien, unſere Verfaſſungen, Haͤuslichkeit, Kuͤnſte, kurz, Alles muß auf eine ungezwungene Art darin niedergelegt werden und in einer ſchoͤnen harmoniſchen Freiheit leben, ſo wie in der ZJliade alle Zweige der griechiſchen Cul⸗ tur u. ſ. w. anſchaulich leben. Ich bin auch gar nicht abgeneigt, mir eine Maſchinerie dazu zu erfinden, denn ich moͤchte auch alle Forderungen, die man an den epiſchen Dichter von Seiten der Form macht, haarſcharf erfuͤllen. Dieſe Maſchinerie aber, die bei einem ſo modernen Stoffe, in einem ſo proſaiſchen Zeitalter, die groͤßte Schwierigkeit zu haben ſcheint, kann das Intereſſe in einem hohen Grade erhoͤhen, wenn ſie eben dieſem modernen Geiſte angepaßt wird. Es rollen allerlei Ideen daruͤber in meinem Kopfe truͤb durcheinander, aber es wird ſich noch etwas Helles daraus bilden. Aber welches Metrum ich dazu waͤhlen wuͤrde, erraͤthſt Du wohl ſchwerlich. Kein anderes, als ottave rime. Alle andere, das jambiſche ausgenommen, ſind mir in den Tod zuwider, und wie ange⸗ nehm müßte der Ernſt, das Erhabene in ſo leichten Feſſeln ſpielen! wie ſehr der epiſche Gehalt durch die weiche ſanfte Form ſchoͤner Reime ge⸗ winnen! Singen muß man es koͤnnen, wie die griechiſchen Bauern die Iliade, wie die Gondoliere in Venedig die Stanzen aus dem befreiten Jeruſalem. Auch uͤber die Epoche aus Friedrichs Leben, die ich waͤhlen wuͤrde, habe ich nachgedacht. Ich hätte gern eine ungluͤckliche Situation, welche ſeinen Geiſt unendlich poetiſcher entwickeln laͤßt. Die Haupt⸗ Handlung muͤßte, wo moͤglich, ſehr einſach und wenig verwickelt ſeyn, daß das Ganze immer leicht zu uͤberſehen bliebe, wenn auch die Epiſoden noch ſo reichhaltig waͤren. Ich würde darum immer ſein ganzes Leben und ſein Jahrhundert darin anſchauen laſſen. Es gibt hier kein beſſeres Muſter, als die Iliade.

Das Studium der Griechen war uͤberhaupt damals fuͤr Schillern ſehr anziehend. Von Nudolſtadt aus ſchrieb er:

Ich leſe jetzt faſt nichts, als Homer; die Alten geben mir wahre Ge⸗ nüſſe. Zugleich bedarf ich ihrer im hoͤchſten Grade, um meinen eigenen