Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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jetzige Geheim⸗Rath von Voigt bewirkten daher ſeine Anſtellung als Pro⸗ feſſor in Jena. Schillern war Dies allerdings erwuͤnſcht, aber zugleich uͤberraſchend, da er zu einem ſolchen Lehramte noch eine Vorbereitung von einigen Jahren fuͤr noͤthig gehalten hatte.

Seit ſeiner Abreiſe von Dresden bis zum Fruͤhjahr 1789, als der Zeit, da er ſeine Proſeſſur in Jena antrat, beſchaͤftigte ihn hauptſaͤchlich ſein hiſtori⸗ ſches Werk. Er ſchrieb daruͤber einem Freunde:

Du glaubſt kaum, wie zufrieden ich mit meinem neuen Fache bin. Ahnung großer unbebauter Felder hat fuͤr mich ſo viel Reizendes. Mit jedem Schritte gewinne ich an Ideen, und meine Seele wird weiter mit ihrer Welt.

Eine ſpaͤtere Aeußerung uͤber den hiſtoriſchen Styl war folgende:

Das Intereſſe, welches die Geſchichte des peloponneſiſchen Krieges fuͤr die Griechen hatte, muß man jeder neuern Geſchichte, die man fuͤr die Neuern ſchreibt, zu geben ſuchen. Das eben iſt die Aufgabe, daß man ſeine Materialien ſo waͤhlt und ſtellt, daß ſie des Schmucks nicht brau⸗ chen, um zu intereſſiren. Wir Neuern haben ein Intereſſe in unſerer Gewalt, das kein Grieche und kein Roͤmer gekannt hat, und dem das vaterlaͤndiſche Intereſſe bei Weitem nicht beikommt. Das Letzte iſt uͤberhaupt nur fuͤr unreife Nationen wichtig, fuͤr die Jugend der Welt. Ein ganz anderes Intereſſe iſt es, jede merkwuͤrdige Begebenheit, die mit Menſchen vorging, dem Menſchen wichtig darzuſtellen. Es iſt ein arm⸗ ſeliges kleinliches Ideal, fuͤr eine Nation zu ſchreiben: einem philoſo⸗ phiſchen Geiſt iſt dieſe Gränze durchaus unertraͤglich. Dieſer kann bei einer ſo wandelbaren, zuſaͤlligen und willkuͤrlichen Form der Menſchheit, bei einem Fragmente(und was iſt die wichtigſte Nation anders 2) nicht ſtille ſtehen. Er kann ſich nicht weiter dafuͤr erwaͤrmen, als ſoweit ihm dieſe Nation oder Nationalbegebenheit als Bedingung fuͤr den Fortſchritt der Gattung wichtig iſt.

Eine ſo begeiſternde Anſicht der Geſchichte machte gleichwohl Schillern der Dichtkunſt nicht untren. Seine poetiſchen Producte in dieſem Zeitraume waren nicht zahlreich, aber bedeutend, und Fortſchritte, ſowohl in Anſehung der Form als des Inhalts, zeigten ſich ſehr deutlich in den Goͤttern Griechenlands und in den Kuͤnſtlern. Auch beſchaͤftigten ihn Plane zu kuͤnftigen poetiſchen Arbeiten. Die Idee, einige Situationen aus Wie⸗ lands Oberon als Oper zu behandeln, kam nicht zur Ausfuͤhrung. Laͤnger verweilte Schiller bei dem Gedanken, zu einem epiſchen Gedicht den Stoff aus dem Leben des Koͤnigs Friedrich des Zweiten zu waͤhlen. Es finden ſich hieruͤber in Schillers Brieſen ſolgende Stellen: