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„Natur herumgeirrt und habe nichts als Eigenthum beſeſſen.— Ich ſehne „mich nach einer burgerlichen und haͤuslichen Exiſtenz.— Ich habe ſeit „vielen Jahren kein ganzes Gluͤck gefuͤhlt, und nicht ſowohl, weil mir die „Gegenſtände dazu fehlten, ſondern darum, weil ich die Freuden mehr naſchte, „als genoß, weil es mir an immer gleicher und ſanfter Empfaͤnglichkeit „mangelte, die nur die Ruhe des Famllienlebens gibt.“
Die Gegend bei Rudolſtadt hatte Schillern ſo ſehr angezogen, daß er ſich entſchloß, den Sommer des Jahres 1788 dort zu verleben. Er wohnte vom Mai bis zum November theils in Volksſtaͤdt, nicht weit von Rudolſtadt, um das Landleben zu genießen, theils ſpaͤter in Rudolſtadt ſelbſt, und die Familie der Frau von Lengefeld war faſt taͤglich ſein Umgang. Im No⸗ vember ſchrieb er:
„Mein Abzug aus Rudolſtadt iſt mir in der That ſchwer geworden. „Ich habe dort viele ſchoͤne Tage gelebt und ein ſehr werthes Band der „Freundſchaft geſtiftet.“
Waͤhrend dieſes Aufenthaltes in Rudolſtadt traf ſich's, daß Schiller zum erſten Male Goͤthen ſah. Seine Erwartung war aufs Hoͤchſte geſpannt, theils durch die fruͤhern Eindruͤcke von Goͤthes Werken, theils durch Alles, was er uͤber ſein Perſoͤnliches in Weimar gehoͤrt hatte. Goͤthe erſchien in einer zahlreichen Geſellſchaft, heiter und mittheilend, beſonders uͤber ſeine italieniſche Reiſe, von der er eben zuruͤckgekommen war; aber dieſe Ruhe und Unbefangenheit hatte fuͤr Schillern, der in dem Bewußtſeyn eines raſt⸗ loſen und unbefriedigten Strebens ihm gegenuͤber ſaß, damals etwas Un⸗ behagliches.
„Im Ganzen genommen,“ ſchrieb er uͤber dieſe Zuſammenkunft,„iſt „meine in der That große Idee von Goͤthe nach dieſer perſoͤnlichen Be⸗ „kanntſchaft nicht vermindert worden; aber ich zweifle, ob wir einander je „ſehr nahe ruͤcken werden. Vieles, was mir jetzt noch intereſſant iſt, was „ich noch zu wuͤnſchen und zu hoſſen habe, hat ſeine Epoche bei ihm durch⸗ „lebt. Sein ganzes Weſen iſt ſchon von Anfang her anders angelegt, als „das meinige, ſeine Welt iſt nicht die meinige, unſere Vorſtellungsarten „ſcheinen weſenrlich verſchieden. Indeſſen ſchließt ſich aus einer ſolchen Zu⸗ „ſammenkunft nicht ſicher und gruͤndlich. Die Zeit wird das Weitere „lehren.“
Und die Zeit lehrte ſchon nach einigen Monaten, daß Goͤfthe we⸗ nigſtens keine Gelegenheit verſäumte, ſich fuͤr Schillern, den er zu ſchaͤtzen wußte, thaͤtig zu verwenden. Als der Profeſſor Eichhorn damals Jena verließ, war eben Schillers Werk uͤber den Abfall der Niederlande erſchienen und verſprach viel von ihm fuͤr den Vortrag der Geſchichte: Goͤthe und der


