411
ſeinen Vorgeſetzten im Manuſcripte vorgelegt, erſchien aber nicht im Drucke. Nach beendigtem Curſus vertheidigte er im Jahr 1780 eine andere Probe⸗ ſchrift: Ueber den Zuſammenhang der thieriſchen Natur des Menſchen mit ſeiner geiſtigen. Der Erſolg davon war eine baldige Anſtellung als Regiments⸗Medicus bei dem Regimente Augé, und ſeine Zeitgenoſſen behaupten, daß er ſich als praktiſcher Arzt durch Geiſt und Kuͤhnheit, aber nicht in gleichem Grade durch Gluͤck ausgezeichnet habe.
Nach Ablauf der Zeit, in der ihn ein ſtrenges Geluͤbde von der Poeſie entfernte, kehrte er mit erneuerter Liebe zu ihr zuruͤck. Die Raͤuber und mehrere einzelne Gedichte, die er kurz nachher, nebſt den Producten einiger Freunde, unter dem Titel einer Anthologie herausgab, entſtanden in den Jahren 41780 und 1781, welche zu den entſcheidendſten ſeines Lebens gehoͤrten.
Fuͤr die Raͤuber fand Schiller keinen Verleger und mußte den Druck auf eigene Koſten veranſtalten. Deſto erfreulicher war ihm der erſte Beweis einer Anerkennung im Auslande, als ihn ſchon im Jahr 4781 der Hof⸗Kammer⸗ rath und Buchhaͤndler Schwan in Mannheim zu einer Umarbeitung dieſes Werks fuͤr die dortige Buͤhne aufſorderte. Einen aͤhnlichen Antrag, der zu⸗ gleich auf kuͤnftige dramatiſche Producte gerichtet war, erhielt er kurz darauf von dem Director des Mannheimer Theater ſelbſt, dem Freiherrn von Dal⸗ berg. Was Schiller hierauf erwiderte, iſt noch vorhanden, und es ergibt ſich daraus, wie ſtreng er ſich ſelbſt beurtheilte, und wie leicht er in jede Abaͤn⸗ derung willigte, von deren Nothwendigkeit man ihn uͤberzeugte, aber wie wenig auch dieſe Willfaͤhrigkeit in Schlaffheit ausartete, und wie nachdruͤcklich er in weſentlichen Punkten, ſelbſt gegen einen Mann, den er hochſchaͤtzte, die Rechte ſeines Werks vertheidigte.
Die ſchriftlichen Verhandlungen endigten ſich zu beiderſeitiger Zufrieden⸗ heit, und die Raͤuber wurden im Januar 4782 in Mannheim auſfgefuͤhre. Bei dieſer und der zweiten Auffuͤhrung im Mai eben dieſes Jahres war Schiller gegenwaͤrtig, aber die Reiſe nach Mannheim hatte heimlich ge⸗ ſchehen muͤſſen und bliob nicht verborgen. Ein vierzehntaͤgiger Arreſt war die Strafe.
Zu eben dieſer Zeit wurde Schillern durch einen andern Umſtand ſein Auſenthalt in Stuttgart noch mehr verbittert. Eine Stelle in den Raͤubern, wodurch ſich die Graubuͤndtner beleidigt fanden, veranlaßte eine Beſchwerde, und der Herzog verbot Schillern, außer dem mediciniſchen Fache irgend etwas drucken zu laſſen. Dies war fuͤr ihn eine deſto druͤckendere Beſchraͤnkung, je guͤnſtigere Ausſichten ſich ihm durch den gluͤcklichen Erfolg ſeines erſten Trauerſpiels eroͤffneten. Auch hatte er ſich mit dem Profeſſor Abel und dem Bibliothekar Peterſen in Stuttgart vereinigt, um eine Zeitſchrift


