Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Deutſche Dichter zu leſen, gab es auf der Karlsſchule, ſo wie auf den meiſten damaligen Unterrichts⸗Anſtalten in Deutſchland, wenig Gelegenheit. Schiller blieb daher noch unbekannt mit einem großen Theil der vaterlaͤndi⸗ ſchen Literatur; aber deſto vertrauter wurde er mit den Werken einiger Lieb⸗ linge. Klopſtock, Ut, Leſſing, Goͤthe und von Gerſtenbergwaren die Freunde ſeiner Jugend.

Auf dem deutſchen Parnaß begann damals ein neues Leben. Die beſten Koͤpfe empoͤrten ſich gegen den Despotismus der Mode und gegen das Stre⸗ ben nach kalter Eleganz. Kraͤftige Darſtellung der Leidenſchaft und des Cha⸗ rakters, tieſe Blicke in das Innere der Seele, Reichthum der Fantaſie und der Sprache ſollten allein den Werth des Dichters begruͤnden. Unabhaͤngig von allen aͤußern Umgebungen, ſollte er als ein Weſen aus einer hoͤhern Welt erſcheinen, unbekuͤmmert, ob er fruͤher oder ſpaͤter bei ſeinen Zeit⸗ genoſſen eine wuͤrdige Aufnahme finden werde. Nicht durch ſremden Einfluß⸗ ſondern allein durch ſich ſelbſt ſollte die deutſche Dichtkunſt ſich aus ihrem Innern entwickeln. Veiſpiele einer ſolchen Denkart mußten einen Juͤng⸗ ling von Schillers Anlagen maͤchtig ergreifen. Daher beſonders ſeine Be⸗ geiſterung fuͤr Goͤthes Goͤtz von Berlichingen und Gerſtenbergs Ugo⸗ lino. Spaͤter wurde er auf Shakeſpeare aufmerkſam gemacht, und Dies geſchah durch ſeinen damaligen Lehrer, den jetzigen Praͤlaten Abel in Schoͤn⸗ thal, der uͤberhaupt ſich um ihn mehrere Verdienſte erwarb. Mit dem Dichter Schubart war Schiller in keiner weitern Verbindung, als daß er ihn einmal auf der Feſtung Hohenaſperg, aus Theilnehmung an ſeinem Schick⸗ ſale, beſuchte.

Ein epiſches Gedicht, Moſes, gehoͤrt zu Schillers fruͤheſten Verſuchen vom Jahr 1775, und nicht lange nachher entſtand ſein erſtes Trauerſpiel: Cosmus von Medicis, im Stoffe aͤhnlich mit Leiſewitzens Julius von Tarent. Einzelne Stellen dieſes Stuͤcks ſind ſpaͤter in die Raͤuber auf⸗ genommen worden; aber außerdem hat ſich von Schillers Producten aus dem Zeitraume von 1780 nichts erhalten, als wenige Gedichte, die ſich im ſchwaͤ⸗ biſchen Magazin finden. Schiller beſchaͤftigte ſich damals aus eigenem An⸗ triebe nicht bloß mit Leſung der Dichter; auch Plutarchs Biographien, Herders und Garvens Schriften waren fuͤr ihn beſonders anziehend, und es verdient bemerkt zu werden, daß er vorzuͤglich in Luthers Bibeluͤberſetzung die deutſche Sprache ſtudirte.*

Medicin trieb er mit Ernſt, und, um ihr zwei Jahre ausſchließend zu widmen, entſagte er waͤhrend dieſer Zeit allen poetiſchen Arbeiten. Er ſchrieb damals eine Abhandlung unter dem Titel: Philoſophie der Phyſio⸗ logie. Dieſe Schrift wurde nachher lateiniſch von ihm ausgearbeitet und