Teil eines Werkes 
12 Band (1838)
Entstehung
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Die Schiller'ſche Familie zog im Jahre 1768 wieder nach Ludwigsburg. Dort ſah der neunjaͤhrige Knabe zum Erſtenmal ein Theater, und zwar ein ſo glaͤnzendes, wie es die Pracht des Hofes unter des Herzogs Karl Regie⸗ rung erforderte. Die Wirkung war maͤchtig: es eroͤffnete ſich ihm eine neue Welt, auf die ſich alle ſeine jugendlichen Spiele bezogen, und Plane zu Trauerſpielen beſchaͤftigten ihn ſchon damals aber ſeine Neigung zum geiſt⸗ lichen Stande verminderte ſich nicht.

Bis zum Jahr 1773 erhielr er ſeinen Unterricht in einer oͤffentlichen groͤßern Schule zu Ludwigsburg, und auf dieſe Zeit erinnert ſich ein damaliger Mit⸗ ſchuͤler ſeiner Munterkeit, ſeiner oft muthwilligen Laune und Keckheit, aber auch ſeiner edeln Denkart und ſeines Fleißes. Die guten Zeugniſſe ſeiner Lehrer machten den regierenden Perzog auf ihn aufmerkſam, der damals eine neue Erziehungsanſtalt mit großem Eifer errichtete und unter den Soͤhnen ſeiner Officiere Zoͤglinge dafuͤr ausſuchte.

Die Aufnahme in dieſes Inſtitut, die militaͤriſche Pflanzſchule auf dem Luſtſchloſſe Solitude und nachherige Karlsſchule zu Stuttgart, war eine Gnade des Fuͤrſten, deren Ablehnung fuͤr Schillers Vater allerdings bedenk⸗ lich ſeyn mußte. Gleichwohl eroͤffnete dieſer dem Herzoge freimuͤthig die Ab⸗ ſicht, ſeinen Sohn einem Stande zu widmen, zu welchem er bei der neuen Bildungsanſtalt nicht vorbereitet werden konnte. Der Herzog war nicht belei⸗ digt, aber verlangte die Wahl eines andern Studiums. Die Verlegenheit war groß in Schillers Familie; ihm ſelbſt koſtete es viel Ueberwindung, ſeine Neigung den Verhaͤltniſſen ſeines Vaters aufzuopfern, aber endlich ent⸗ ſchied er ſich fuͤr das juriſtiſche Fach und wurde im Jahre 1775 in das neue Inſtitut auſgenommen. Noch im folgenden Jahre, als jeder Zoͤgling ſeine eigene Charakter⸗Schilderung aufſetzen mußte, wagte Schiller das Geſtaͤndniß:

daß er ſich weit gluͤcklicher ſchaͤtzen wuͤrde, wenn er dem Vaterlande als

Gottesgelehrter dienen koͤnnte.

Auch ergriff er im Jahr 4775 eine Gelegenheit, wenigſtens das juriſtiſche Studium, das fuͤr ihn nichts Anziehendes hatte, aufzugeben. Es war bei dem Inſtitute eine neue Lehr⸗Anſtalt fuͤr kuͤnſtige Aerzte errichtet worden, der Herzog ließ jedem Zoͤglinge die Wahl, von dieſer Anſtalt Gebrauch zu machen, und Schiller benutzte dieſe Aufforderung.

Auf der Karlsſchule war es, wo ſeine ſruͤheſten Gedichte entſtanden. Ein Verſuch, das Eigenthuͤmliche dieſer Producte aus damaligen außern Urſachen vollſtändig zu erklaͤren, waͤre ein vergebliches Bemuͤhen. Von Dem, was die Richtung eines ſolchen Geiſtes beſtimmte, blieb natuͤrlicher Weiſe Vieles ver⸗ vorgen, und nur folgende bekannt gewordene Umſtaͤnde verdienen in dieſer Ruͤckſicht bemerkt zu werden.