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in dieſem Falle der Noth jedes erforderliche Geſchaͤft, wozu er gebraucht wer⸗ den konnte. Er beſorgte die Kranken, als es an Wundaͤrzten fehlte, und ver⸗ trat die Stelle des Geiſtlichen bei dem Gottesdienſte des Regiments durch Vorleſung einiger Gebete und Leitung des Geſangs.
Seit dem Jahre 1759 ſtand er bei einem andern wuͤrttembergiſchen Corps in Heſſen und in Thuͤringen und benutzte jede Stunde der Muſe, um durch eigenes Studium, ohne fremde Beihuͤlfe, nachzuholen, was ihm in fruͤhern Jahren, wegen unguͤnſtiger Umſtaͤnde, nicht gelehrt worden war. Mathe⸗ matik und Philoſophie betrieb er mit Eifer, und landwirthſchaftliche Be⸗ ſchaͤftigungen hatten dabei fuͤr ihn einen vorzuͤglichen Reiz. Eine Baum⸗ ſchule, die er in Ludwigsburg anlegte, wo er nach beendigtem Kriege als Hauptmann im Quartier war, hatte den gluͤcklichſten Erſolg. Dies veran⸗ laßte den damaligen Herzog von Wuͤrttemberg, ihm die Aufſicht uͤber eine groͤßere Anſtalt dieſer Art zu uͤbertragen, die auf der Solitude, einem herzog⸗ lichen Luſtſchloſſe, war errichtet worden. In dieſer Stelle befriedigte er voll⸗ kommen die von ihm gehegten Erwartungen, war geſchaͤtzt von ſeinem Fuͤrſten und geachtet von Allen, die ihn kannten, erreichte ein hohes Alter und hatte noch die Freude, den Ruhm ſeines Sohnes zu erleben. Ueber dieſen Sohn findet ſich folgende Stelle in einem noch vorhandenen eigenhaͤndigen Aufſatze des Vaters:.
„Und du, Weſen aller Weſen! Dich hab' ich nach der Geburt meines
weinzigen Sohnes gebeten, daß du demſelben an Geiſteskraͤften zulegen
„moͤchteſt, was ich aus Mangel an Unterricht nicht erreichen konnte, und
„du haſt mich erhoͤrt. Dank Ar, guͤtigſtes Weſen, daß du auf die Bitten
„der Sterblichen achteſt!—
Schillers Mutter wird von zuverlaͤſſigen Perſonen als eine anſpruchsloſe, aber verſtaͤndige und gutmuͤthige Hausfrau beſchrieben. Gatten und Kinder liebte ſie zaͤrtlich, und die Innigkeit ihres Gefuͤhls machte ſie ihrem Sohne ſehr werth. Zum Leſen hatte ſie wenig Zeit, aber Utz und Gellert waren ihr lieb, beſonders als geiſtliche Dichter.— Von ſolchen Aeltern wurde Jo⸗ hann Chriſtoph Friedrich Schiller am 10. November 1759 zu Marbach, einem wuͤrttembergiſchen Staͤdtchen am Neckar, geboren. Einzelne Zuͤge, deren man ſich aus ſeinen fruͤheſten Jahren erinnert, waren Beweiſe von Weichheit des Herzens, Religioſitaͤt und ſtrenger Gewiſſenhaftigkeit. Den erſten Unterricht erhielt er von dem Pfarrer Moſer in Lorch, einem wuͤrt⸗ tembergiſchen Graͤnzdorſe, wo Schillers Aeltern von 1765 an drei Jahre lang ſich aufhielten. Der Sohn dieſes Geiſtlichen, ein nachheriger Prediger, war Schillers erſter Jugendfreund, und Dies erweckte bei ihm wahrſcheinlicher Weiſe die nachherige Neigung zum geiſilichen Stande.


