Nachrichten von
Schillers Leben.
Für die Zuverläͤſſiskeit dieſer Nachrichten bürgt der Appellationsrath Körner in Dresden als ihr
Verfaſſer. Seit dem Jahre 1785 gehörte er zu Schillers vertrauteſten Freunden und würde von
mehrern Perſonen, die mit dem Verewigten in genaueſter Verbindung geweſen waren durch ſchat⸗ re Beiträge unterſtüßt. Nicht der kleinſte Umſtand iſt in dieſe Lebensbeſchreibung aufgenommen der nicht auf Schillers eigene Aeußerungen oder auf glanbwürdige Zeugniſſe ſich gründet
zu bemerken iſt, daß ſie im Jahre 1812 verfaßt worden ſind.
Die Sitte und Denkart des vaͤterlichen Hauſes, in welchem Schiller die Jahre ſeiner Kindheit verlebte, war nicht beguͤnſtigend ſuͤr die fruͤhzeitige Entwickelung vorhandener Faͤhigkeiten, aber fuͤr die Geſundheit der Seele von wohlthaͤtigem Einfluſſe. Einfach und ohne vielſeitige Ausbildung, aber kraftvoll, gewandt und thaͤtig fuͤr das praktiſche Leben, bieder und fromm war der Vater. Als Wundarzt ging er im Jahre 1745 mit einem bayeriſchen Huſaren⸗Regimente nach den Niederlanden, und der Mangel an hinlaͤnglicher Beſchaͤftigung veranlaßte ihn, bei dem damaligen Kriege ſich als Unter⸗ officier gebrauchen zu laſſen, wenn kleine Commando's auf Unternehmungen ausgeſchickt wurden. Als nach Abſchluß des Aachner Friedens ein Theil des Regiments, bei dem er diente, entlaſſen wurde, kehrte er in ſein Vaterland das Herzogthum Wuͤrttemberg, zuruͤck, erhielt dort Anſtellung und war im Jahre 1757 FJhnrich und Adjutant bei dem damaligen Regimente Prinz Louis. Dies Regiment gehoͤrte zu einem wuͤrttembergiſchen Puͤlſscorps, das in einigen Feldzuͤgen des ſiebenjaͤhrigen Krieges einen Theil der oͤſter⸗ reichiſchen Armee ausmachte. In Boͤhmen erhielt dieſes Corps einen bedeu⸗ tenden Verluſt durch eine heftige anſteckende Krankheit, aber Schillers Vater erhielt ſich durch Maͤßigkeit und viele Vewegung geſund und uͤbernahm


